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Abfindung und Rürup Rente – Ratgeber

Mit der „Rürup Rente“ will der Staat vor allem Selbstständigen bei der privaten Vorsorge fürs Alter eine subventionierte Sparform bieten. Für gutverdienende Selbstständige, besserverdienende Angestellte sowie bei Abfindungen ist die „Rürup Rente“ Steuersparmodell und Altersvorsorge in einem.

Wer viel verdient und viel Steuern zahlt, profitiert sehr viel stärker von den Steuervorteilen dieser Altersvorsorge als Durchschnitts- oder Geringverdiener.

„Rürup Rente“ – Steuervorteil für Abfindung

Deshalb kann eine „Rürup Rente“ auch für alle, die eine Abfindung erhalten, ein Weg sein, um die Steuerlast zu minimieren und sich zugleich Vorsorgeleistungen zu sichern. Hierzu werden Teile der Abfindung in die seit einigen Jahren steuerlich geförderte private kapitalgedeckte Altersvorsorge investiert.

Arbeitgeber, oder auch Arbeitnehmer allein können die Versicherungsbeiträge übernehmen. Die Beiträge sind teilweise als Alters-Vorsorgeaufwendungen steuerbegünstigt.

Altersvorsorgeaufwendungen – darunter auch Einzahlungen in eine „Rürup Rente“ – sind im Rahmen der Sonderausgaben gem. § 10 Abs. 3 EStG steuerlich abzugsfähig. Bis zum Jahr 2014 war dafür der Höchstbetrag von 20.000 EUR für Einzelveranlagte und bis zu 40.000 EUR für zusammenveranlagte Ehegatten gesetzlich festgeschrieben. Ab dem Jahr 2015 wird dieser Höchstbetrag angehoben auf den „Höchstbetrag zur knappschaftlichen Rentenversicherung“. Dieser wird jährlich festgelegt. Für das Kalenderjahr 2017 beträgt der Höchstbetrag nun 23.362 EUR für Ledige und 46.724 EUR für zusammenveranlagte Ehegatten. Davon können im Jahr 2017 insgesamt 84 Prozent (2014 insgesamt 78 Prozent) der Einzahlungen steuerlich als Sonderausgaben geltend gemacht werden.



Wer schon andere Vorsorgeaufwendungen geltend macht, braucht diese nur mit den Einzahlungen in eine „Rürup Rente“ bis zu dem genannten Höchstbetrag aufzustocken, um den höchsten steuerlichen Vorteil zu erhalten. Einzahlungen darüber hinaus, bringen keinen steuerlichen Vorteil mehr – können jedoch für die Altersvorsorge vorteilhaft sein.

Wer viel Wert auf Sicherheit legt, wird wegen der Risikostreuung vielleicht auch an andere Formen der steuerlich begünstigten Geldanlagen denken.

Rürup Rente – Angebote vergleichen

Wer würde nicht gern eine solche Sparmöglichkeit mit staatlicher Förderung nutzen? Doch die Angebote am Markt sind sehr unterschiedlich. Ein Vergleich – beispielsweise anhand der Kriterien und Ergebnisse der Stiftung Warentest – können hilfreich sein.

Mehr: Stiftung Warentest/Finanztest 12/2014 – Rürup-Rente und Finanztest 08/2017 – Alters­vorsorge planen – Rentenberatung im Praxis­test

 

Ergänzende Empfehlung: der Beitrag von Steuerberater Karl-Heinz Herrmann in meiner xing-Gruppe „Abfindung und Steuern“

Thomas Schulze
 

Ich helfe allen, denen eine Kündigung droht, ihre Möglichkeiten für eine (höhere) Abfindung nach Steuern besser und leichter zu nutzen, auch wenn solche Gestaltungsmöglichkeiten seit Jahren immer mehr eingeschränkt wurden.

  • Detlef sagt:

    Hallo Thomas,

    vielen Dank für die schnelle Antwort, die mich auch weiterbringt. Dennoch glaube ich, dass ich meine Frage noch nicht präzise genug gestellt habe:
    Im Jahr 2016 ist der Höchstbetrag für Verheiratete auf 45344 E festgelegt. Ich überweise diesen Betrag in eine Rüruprente. Steuerlich absetzbar als Sonderausgaben sind 82% noch gekürzt um die Arbeitgeberanteile.

    Sehe ich es richtig, dass der dann entstehende
    Detlef
    Sonderausgabenbetrag n i c h t mehr um die Beiträge der AfA zur Rentenversicherung gekürzt wird?

    Detlef

    • Thomas sagt:

      Hallo Detlef,

      könnte so hinkommen. Wenn es um das exakte steuerliche Ergebnis geht, würde ich jedoch vorher nochmals mit einem Steuerprogramm kalkulieren. Die gebräuchlisten Programme bieten die Möglichkeit zu einer genaueren Kalkulation.

      Thomas

  • Peter Aschenbrenner sagt:

    Hallo,
    stimmt es, daß die Sonderausgaben nur mit den regulären Einkünften des Jahres, in dem eine Abfindung gezahlt wird, verrechnet werden? Wenn ich beispielsweise Januar, Februar und März Einkommen in Höhe von je 5000 Euro beziehe, sind nur die von Januar bis März verdienten 15000 Euro relevant und es bringt nichts, wenn man mehr als 15000 Euro insgesamt an Sonderausgaben geltend macht, egal wie hoch die Abfindung ausfällt?

    • Thomas sagt:

      Hallo Peter,

      ja, Sonderausgaben mindern das „normale“ zu versteuernde Einkommen (insofern die „regulären“ Einkünfte) des Jahres. Davon wird die tarifliche Einkommensteuer ermittelt. Getrennt davon wird – soweit die Bedingungen gem. § 34 erfüllt sind – für Abfindungen die Mehrsteuer ermittelt. Sollte beispielsweise durch hohe Sonderausgaben das „normale“ zu versteuernde Einkommen negativ werden, so ändert sich zwar die Berechnung, aber die „Verluste“ gehen Ihnen im Abfindungsjahr nicht verloren, wenn die Abfindung höher ist als das negative Einkommen.

      Welche steuerliche Wirkung das hat, können Sie mit dem Abfindungsrechner von abfindunginfo.de leicht prüfen (andere Abfindungsrechner bieten diese Möglichkeit meist nicht). Geben Sie in die Zelle D15 die Summe aus Ihrem Einkommen und Ihren Sonderausgaben ein (beispielsweise 15.000 Euro steuerpflichtiges Gehalt-20.000 Sonderausgaben=-5.000 Euro – Achtung! Diesen Betrag mit Minuszeichen eingeben: also -5000, nicht 5000). Geben Sie dann Ihre Abfindung ein, so erhalten Sie die kalkulierten Steuern. Den Rechenweg können Sie mit Klick auf den Reiter „Abf2016“ nachvollziehen.

      Beste Grüße

      Thomas Schulze

  • Harry sagt:

    Hallo,
    Reduziert sich der Höchstbetrag von ca. 44000€ (gemeinsam veranlagt) durch ALG1 oder Transferkurzarbeitergeld plus Aufstockungsbetrag?
    Diese Situation kommt zum Tragen, wenn im Jahr der Abfindungszahlung auch ALG1 oder Transferkurzarbeitergeld+Aufstockung bezogen wird und in eine Rürup-Rente einbezahlt wird.
    Gilt dieser Höchstbetrag auch für freiwllige Zahlung in die gesetzliche Rentenversicherung?

    • Thomas sagt:

      Hallo Harry,

      wenn ich Ihre Frage richtig verstehe, geht es Ihnen darum, ob der Höchstbetrag für steuerlich begünstigte Altersvorsorgeaufwendungen (z. B. Rürup-Rente) gekürzt wird, wenn Sie nicht oder nicht nur Gehalt, sondern auch ALG1 oder Transferkurzarbeitergeld beziehen.
      Nein!
      Im Rahmen des Höchstbetrages werden berücksichtigt
      – Ag- und An-Anteile zur gesetzlichen Rentenversicherung,
      – Beiträge zu landwirtschaftlichen Alterskassen (trifft bei Ihnen wohl nicht zu),
      – Beiträge zu berufsständischen Versorgungswerken (trifft bei Ihnen wohl nicht zu),
      – Beträge zur privaten kapitalgedeckten Altersvorsorge (z. B. Rürup-Rente)
      Wenn Sie also den Höchstebtrag ausnutzen wollen, brauchen Sie nur zu berücksichtigen, was im laufenden Jahr in die gesetzliche Rentenversicherung (unabhängig davon, wer diese Beiträge leistet) eingezahlt wird. Diesen Betrag können Sie dann mit Einzahlungen in die Rürup-Rente bis zum Höchstbetrag aufstocken.

      Freundliche Grüße

      Thomas Schulze

      • Detlef sagt:

        Hallo,

        ich würde diesen Faden gerne nochmal aufgreifen. Wenn ich ALGI beziehe und die Agentur für Arbeit Beiträge zu meiner Rentenversicherung überweist: Sind diese Beiträge dann vom Höchstbetrag für eine Rüruprente abzuziehen oder nicht?

        Hintergrund meiner Frage:

        Einerseits zählen Beiträge der AfA nicht in Ihre Aufzählung der zu berücksichtigenden Beiträge im Rahmen des Höchstbetrages.
        Andererseits schreiben Sie im letzten Absatz, dass Beiträge in die gesetzliche RV zu berücksichtigen
        sind, u n a b h ä n g i g davon wer diese Beiträge leistet.

        Vielen Dank

        Detlef

        • Thomas sagt:

          Hallo Detlef,

          wenn Sie sich auf den vorhergehenden Kommentar beziehen, muss ich eingestehen: So ist das nunmal – was verkürzt wird, kann Irritationen hervorrufen.

          Deshalb hier nochmals zu Ihrer Frage mit den Quellen zum Nachlesen: Zu den Altersvorsorgeaufwendungen, die steuerlich als Sonderausgaben gem. § 10 Abs. 1 Nr. 2 EStG berücksichtigungsfähig sind, gehören Beiträge zu den gesetzlichen Rentenversicherungen oder zur landwirtschaftlichen Alterskasse, zu berufsständischen Versorgungseinrichtungen sowie zur eigenen kapitalgedeckten Altersversorgung. Berücksichtigungsfähig sind diese bis zu dem Höchstbeitrag zur knappschaftlichen Rentenversicherung gem. § 10 Abs. 3 – siehe oben im Beitrag.
          Diese sind im Jahr 2016 nur mit 82 % anzusetzen.
          Von diesem Betrag kann der Steuerpflichtige als Sonderausgaben jedoch nur die selbstgetragenen Beitragsanteile steuerliche geltend machen. Deswegen sind bei Arbeitnehmern von dem anzusetzenden Höchstbetrag die steuerfreien Arbeitgeberanteile gem. § 3 Nr. 62 EStG abzuziehen.

          Thomas

          • Detlef sagt:

            Hallo Thomas,

            vielen Dank für die schnelle Antwort, die mich auch weiterbringt. Dennoch glaube ich, dass ich meine Frage noch nicht präzise genug gestellt habe:
            Im Jahr 2016 ist der Höchstbetrag für Verheiratete auf 45344 E festgelegt. Ich überweise diesen Betrag in eine Rüruprente. Steuerlich absetzbar als Sonderausgaben sind 82% noch gekürzt um die Arbeitgeberanteile.

            Sehe ich es richtig, dass der dann entstehende
            Sonderausgabenbetrag n i c h t mehr um die Beiträge der AfA zur Rentenversicherung gekürzt wird?

            Detlef

          • Thomas sagt:

            Hallo Detlef,

            wenn ich Sie richtig verstehe: Ja. Das Alg I ist steuerfrei. Die Altersvorsorgeaufwendungen werden davon nicht betroffen.

            Thomas

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