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Abfindungsauszahlung kann steuerwirksam gestaltet werden

Wie Sie die Abfindungsauszahlung zeitlich so verlegen, dass Sie damit deutlich Ihre Steuerlast senken können

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Arbeitgeber und Arbeitnehmer können den Zeitpunkt des Zuflusses einer Abfindung oder eines Teilbetrags einer solchen beim Arbeitnehmer in der Weise steuerwirksam gestalten, dass sie deren ursprünglich vorgesehene Fälligkeit vor ihrem Eintritt auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Rechtsmissbrauch (§ 42 AO) kommt in derartigen Fällen regelmäßig nicht in Betracht.

Quelle: BFH 11.11.2009, IX R 1/09

 

Zeitlicher Ansatz der Abfindungsauszahlung

Warum ist der Zeitpunkt der Abfindungsauszahlung so wichtig für die Besteuerung der Abfindung?

Bei der Besteuerung des Arbeitseinkommens wird unterschieden zwischen laufendem Arbeitslohn und sonstigen Bezügen.

Laufender Arbeitslohn wird steuerlich so behandelt, als wäre er dem Steuerpflichtigen in dem Zeitraum zugeflossen, für den er ausgezahlt wird. Fließt beispielsweise das Monatsgehalt für Dezember dem Steuerpflichtigen erst Anfang Januar des folgenden Jahres zu, so wird es noch zu den steuerpflichtigen Einkünften des alten Jahres gerechnet.

Sonstige Bezüge werden steuerlich jedoch nicht als laufender Arbeitslohn behandelt. Zu den sonstigen Bezügen gehören insbesondere einmalige Zahlungen neben dem laufenden Arbeitslohn (beispielsweise dreizehntes Monatsgehalt, Abfindungen, Gratifikationen, Tantiemen). Ein sonstiger Bezug wird in dem Jahr steuerlich berücksichtigt, indem er dem Steuerpflichtigen tatsächlich zufließt und dieser darüber verfügen kann.

Diese Sonderregelung ist dem § 38a (1) Satz 3  in Verbindung mit § 11 (1) Satz 1 des Einkommensteuergesetzes zu entnehmen.

Deshalb ist der Zeitpunkt, zu dem die Abfindung ausgezahlt wird, für alle so wichtig, die Ihre Steuerlast optimieren wollen. Wird nämlich dieser Zeitpunkt auf das neue Jahr verschoben, obwohl das Arbeitsverhältnisses im alten Jahr endet, dann ist die Abfindung auch erst im neuen Jahr zu versteuern, wenn sie erst im neuen Jahr dem Steuerpflichtigen zufließt. Nach dem oben zitierten Urteil ist die Verschiebung der Abfindungsauszahlung ins neue Jahr steuerlich zulässig und führt meist zu einer deutlich niedrigen Steuerlast.

Wer sich die Abfindung später auszahlen lassen will oder wer die Abfindung aufgrund eines Klageverfahrens erst lange nach dem letzten Arbeitstag erhält, sollte jedoch auch mögliche Risiken beachten!

Alle, die den Abfindungsrechner heruntergeladen haben, erhalten auch einen Video-Tipp, in dem gezeigt wird, wie mit dieser Gestaltung schon bei einer nicht allzu hohen Abfindung mehr als 20.000 Euro Steuern zu sparen sind.



Thomas Schulze
 

Ich helfe allen, denen eine Kündigung droht, ihre Möglichkeiten für eine (höhere) Abfindung nach Steuern besser und leichter zu nutzen, auch wenn solche Gestaltungsmöglichkeiten seit Jahren immer mehr eingeschränkt wurden.

  • Konrad sagt:

    Hallo,
    leider wird in vielen Abhandlungen ausschließlich über die Besonderheiten und Erfordernisse der Fünftelregelung berichtet.
    So kommt diese z.B. wegen fehlender Zusammenballung nicht zum Zug.
    Gesetzt den Fall, dass künftig – bis in einigen Jahren Rente bezogen wird – keine Einkünfte erzielt werden: Gibt es einen Hinderungsgrund die Abfindung aus steuerlichen Gründen in 6 Jahresraten in den nächsten 6 Steuerjahren auszahlen zu lassen.
    Besten Dank

    • Thomas sagt:

      Hallo Konrad,

      ja, ich pflichte Ihnen uneingeschränkt bei. Deshalb ist – soweit ich weiß – der Abfindungsrechner von abfindunginfo.de auch der einzige, mit dem sich prüfen lässt, ob eine Zusammenballung der Einkünfte für die Fünfteltregelung überhaupt vorliegt.

      Einen gesetzlichen Hinderungsgrund für die Auszahlung der Abfindung in 6 Raten gibt es nicht. Ob es sich lohnt, hängt von der Höhe der verbleibenden zu versteuernden Einkünfte in diesen Jahren ab. Sie könnten das mal einfach kalkulieren, indem Sie die Vergleichsrechnung machen: Abfindungszufluss in einem Jahr und dann die voraussichtlichen Einkünfte in den 6 Jahren mit ihren jeweiligen Steuerlasten.

      Freundliche Grüße

      Thomas Schulze

  • Peter sagt:

    Wenn mein Arbeitsvertrag zum 31.12.2015 gekündigt ist und meine Abfindung im Feb 2016 ausgezahlt wird. Frag ich mich wie die Firma das ohne Arbeitsvertrag machen kann. Wie rechnet die Firma die Sonstige Bezüge ab? wird die abfindung im Feb versteuert oder bekommt man eine Rückerstattung der gezahlen Steuer bei der Einkommenserklärung ?

    Danke und Gruß

    Peter

    • Thomas sagt:

      Hallo Peter,

      Abfindungen gehören zu den sogenannten sonstigen Bezügen. Für diese soll der Lohnsteuerabzug gem. EStG § 39b Abs. 3 vom Arbeitgeber vorgenommen werden. Allerdings kommen damit nicht alle Arbeitgeber zurecht und ziehen die Lohnsteuer dann auch mal nicht ganz richtig ab. 😉
      Solche Fehler werden dann im Rahmen der Steuerfestsetzung beim Einkommensteuerbescheid vom Finanzamt korrigiert.

      Freundliche Grüße

      Thomas Schulze

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