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Steuer auf Abfindung zum Jahresanfang berechnen

Der Auszahlungszeitpunkt einer Abfindung zum Jahresanfang kann steuerlich besonders vorteilhaft sein. Allerdings herrscht in Lohnbuchhaltungen nicht selten Unsicherheit, wie denn die Steuer auf Abfindung dann zu berechnen ist.

Wenn die Kündigung zum Monatsende Dezember erfolgte, wird die Abfindung nicht selten erst im Januar ausgezahlt. Arbeitgeber und Arbeitnehmer können aber unabhängig davon auch in anderen Fällen einen Auszahlungszeitpunkt der Abfindung zum Jahresanfang vereinbaren.

Steuer auf Abfindung zum Jahresanfang

Die Lohnsteuerberechnung hat gemäß § 39b EStG zu erfolgen. Vom Arbeitgeber ist im allgemeinen zunächst gem. § 39b Abs. 2 Satz 2 der Monatsarbeitslohn mit 12 zu multiplizieren, um den Jahresarbeitslohn zu ermitteln. Dann sind die im Absatz 2 genannten Beträge Freibeträge oder Hinzurechnungsbeträge zu verrechnen. Im Satz 9 heißt es weiter:

„Die monatliche Lohnsteuer ist 1/12 … der Jahreslohnsteuer“.

Im § 39b Abs. 3 ist ausdrücklich ausgeführt:

1.  Der Jahresarbeitslohn ist ohne die sonstigen Bezüge zugrunde zu legen. Die Steuern auf die sonstigen Bezüge sind dann zum Arbeitslohn hinzu zu rechnen:

„Für den so ermittelten Jahresarbeitslohn (maßgebender Jahresarbeitslohn) ist die Lohnsteuer nach Maßgabe des Absatzes 2 Satz 5 bis 7 zu ermitteln.“

2. Abfindungen werden gesondert steuerlich berücksichtigt:

„Die Lohnsteuer ist bei einem sonstigen Bezug im Sinne des § 34 Absatz 1 und 2 Nummer 2 und 4 in der Weise zu ermäßigen, dass der sonstige Bezug bei der Anwendung des Satzes 5 mit einem Fünftel anzusetzen und der Unterschiedsbetrag im Sinne des Satzes 8 zu verfünffachen ist.“

Eine Abfindung ist eine Entschädigung i. S. des § 24 Nr. 1 und als solche ebenfalls definitiv im § 34 Abs. 2 Nr. 2 aufgeführt.

Sollte die Steuer auf Abfindung zu hoch berechnet sein, können Arbeitnehmer eine „gütliche“ Einigung mit dem Arbeitgeber erwirken, dass er die Steuer neu berechnet. Ansonsten erfolgt die Berichtigung durch das Finanzamt im Einkommensteuerbescheid für das Auszahlungsjahr.

Deshalb ist zu empfehlen, dass sich Arbeitnehmer vor Auszahlung der Abfindung die Abrechnung zeigen und erklären lassen … da ist eine Verständigung meist leichter. Dies ist jedoch Verhandlungssache. Denn nach § 108 Abs. 1 Gewerbeordnung (GewO) ist dem Arbeitnehmer „bei Zahlung des Arbeitsentgelts eine Abrechnung in Textform zu erteilen“.

„Die Transparenz erfordert dabei nicht, dass dem Arbeitnehmer eine Abrechnung darüber erteilt wird, wie sein Arbeitsentgelt richtigerweise zu berechnen wäre. Es kommt vielmehr darauf an, wie es der Arbeitgeber tatsächlich berechnet hat und insbesondere, welche Abzüge er aus welchen Gründen tatsächlich vorgenommen und welche Beträge er abgeführt hat. Dies sind Kenntnisse im Bereich des Arbeitgebers, hinsichtlich derer allein er eine ordnungsgemäße Abrechnung erteilen kann.“

(BAG, Beschluss vom 07.09.2009 – 3 AZB 19/09).

Thomas Schulze
 

Ich helfe allen, denen eine Kündigung droht, ihre Möglichkeiten für eine (höhere) Abfindung nach Steuern besser und leichter zu nutzen, auch wenn solche Gestaltungsmöglichkeiten seit Jahren immer mehr eingeschränkt wurden.

  • Michael sagt:

    Sehr geehrter Herr Dr. Schulze,
    ich habe eine Frage, um deren Beantwortung ich freundlichst bitte.
    Ich werde am 31.03.2018 meinen Arbeitsplatz mit einem Aufhebungsvertrag inkl. Abfindung aufgeben. Dies geschieht in beiderseitigem Einvernehmen. Altersbedingt (62) werde ich keinen neuen Arbeitsplatz mehr annehmen, da ich Mitte 2019 in Rente gehen werde. Die Abfindung beläuft sich auf xxxxx Euro brutto. Für die Monate Jan.- März 2018 habe ich mein normales Einkommen von xxxxxx Euro erhalten. Mein Arbeitgeber hat mir vorab eine Gehaltsabrechnung für März 2018 zukommen lassen, aus der die Steuern für die Abfindung hervorgehen. Diese belaufen sich fast auf xxxxxx Euro, nur für die Abfindung. Laut Ihrem Abfindungsrechner werden aber Steuern in Höhe von rund 6.900 Euro berechnet. Meine Personalabteilung hat mir daraufhin erklärt, dass sie meine bisherigen Einnahmen auf das ganze Jahr hochrechnet und die Steuern deshalb so hoch sind und eine Änderung im Gehaltsprogramm (SAP) nicht möglich ist. Eine Reduzierung der Steuern auf die Abfindung lehnen sie ab. Außerdem würde ich zu viel gezahlte Steuern vom Finanzamt in der Lohnsteuerjahresabrechnung zurück erhalten.
    Mit freundlichen Grüßen

    • Thomas sagt:

      Hallo Michael,

      leider können Sie die Korrektur der Abrechnung wirklich nur durch Verhandeln lösen. Manche Personaldabteilungen sind da durchaus kooperationsbereit, andere jedoch leider nicht. Denn es ist schon so, dass Sie die zuviel abgezogenen Steuern auf der Grundlage des Steuerbescheids im nächsten Jahr erstattet bekommen. Und dass das Gehaltsprogramm keine andere Eingabe erlauben soll, ist leider auch nicht neu – siehe auch http://abfindunginfo.blogspot.de/2015/02/was-bleibt-von-der-bruttoabfindung-als.html

      In dem Punkt kann ich Ihnen leider nicht helfen.

      Beste Wünsche

      Thomas Schulze

  • Peter sagt:

    Hallo,
    ich lese immer von den steuerlichen Vorteilen, bei der Zahlung der Abfindung Anfang des Jahres. Beispiel: Ich bekomme im Januar die Abfindung und trete im Februar eine neue Stelle an. Muss ich dann im Folgejahr nicht sehr viel Steuer nachzahlen?

    Vielen Dank für Ihre Mühe!

    Peter

    • Thomas sagt:

      Hallo Peter,

      das kann schon sein – wie ich in den beiden Beispielen angedeutet habe.
      Ob letztendlich wirklich ein Steuervorteil entsteht, hängt davon ab, ob Sie im Jahr der Abfindungsauszahlung ein niedriges normales zu versteuerndes Einkommen haben als im Jahr zuvor. Das ist bei den meisten der Fall, weil sie nicht wieder einen gleich gut bezahlten Job bekommen oder aus anderen Gründen weniger steuerpflichtiges Einkommen haben.

      Beste Wünsche

      Thomas Schulze

  • Susanne sagt:

    Sehr geehrter Herr Schulze,

    mein Arbeitgeber möchte mich betriebsbedingt kündigen.
    Er möchte mich nächste Woche fristgerecht zum 31.1.2018 kündigen. Ich erhalte dafür eine Abfindung von 0,7 statt 0,5 Monatsgehältern.

    Nun meine Fragen.
    Bekomme ich die Abfindung Ende Januar zuzüglich meines „normalen Bruttolohnes? Da ich ja den Januar noch arbeite, müsste ich dafür ja dann auch noch mein Gehalt bekommen, richtig?

    Und laut meinem Arbeitgeber würde er den Aufhebungsvertrag so formulieren, dass ich keine Arbeitslosengeldsperre von 3 Monaten bekomme. Ist das möglich, wenn ja, wie? Und auch wenn der Abfindungsfaktor 0,7 ist?

    Und macht es mehr Sinn, die Abfindung Ende 2017 zu erhalten oder erst Ende Januar 2018?

    Vielen Dank für Ihre Antwort.

    • Thomas sagt:

      Hallo Susanne,

      eine Abfindung ist eine Entschädigung für wegfallende Einnahmen nach dem Ende des Arbeitsverhältnisses. Bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses ist die Vergütung laut Arbeitsvertrag („Bruttolohn“) zu zahlen.

      Damit ein Aufhebungsvertrag nicht zu einer Sperrzeit beim Arbeitslosengeld führt, müssen ein paar Bedingungen eingehalten werden, vor allem auf https://www.abfindunginfo.de/aufhebungsvertrag-mit-wichtigem-grund-ohne-sperrzeit finden Sie die wichtigsten Informationen dazu.

      Wenn die Abfindung noch in 2017 gezahlt würde, wäre das aus mehreren Gründen steuerlich sehr ungünstig.

      Freundliche Grüße

      Thomas Schulze

  • Tom sagt:

    Sehr geehrter Herr Schulze,
    mir wurde zum 31.01.18 betribebedingt gekündigt und ab dem 01.10.2017 bin ich von der Arbeit freigestellt.
    Da ich zur Zeit arbeitsunfähig krank geschrieben bin erhöht sich der im Januar zur Auszahlung kommenden Abfindungsbetrag um das jeweilge Bruttogehalt der Monate, in denen ich noch krank geschrieben bin.
    Weiterhin habe ich seit Juli 2017 einen GdB von 50%, unbefristet.
    Wie verhält sich das bei der Steuerberechnung?
    Gehen z.B. die Gehälter Oktober, November (zzgl. Weihnachtsgeld), Dezember noch in die Steuerberechnung 2017 oder erst in 2018?
    Wie läßt sich die Steuerlast reduzieren?
    Vielen Dank für Ihre geschätzte Rückantwort.
    Gruß
    Tom

    • Thomas sagt:

      Hallo Tom,
      die Gehälter werden in Ihrem Fall dem Kalenderjahr zugerechnet, zu dem sie gehören – also Oktober bis Dezember noch zu 2017. Wenn das Weihnachtsgeld Ihnen ebenfalls 2017 zufließt, wird es auch 2017 steuerlich berücksichtigt. Wenn Sie ab 01.10.17 freigestellt sind, müssten Ihnen dennoch die Gehälter jeweils nach Monatsende zufließen – nicht erst 2018.

      Die Abfindung wird 2018 steuerwirksam. Für den Grad der Behinderung können Sie außergewöhnliche Belastungen geltend machen wie in den Jahren zuvor.

      Weitere Tipps zur Steuerminderung finden Sie in meinen Blogs und in meinen Newslettern, falls Sie sich im Verteiler angemeldet haben. Gern können wir auch in einem Telefonat – siehe https://www.abfindunginfo.de/gratis-beratung-zu-hause.html – prüfen, wie ich Ihnen weiter helfen kann.

      Freundliche Grüße
      Thomas Schulze

  • Carsten sagt:

    Mein Arbeitsverhältnis endet zum 31.12.2017. Die Abfindung wird im Januar 2018 ausbezahlt. Ich beabsichtige in 2018 erstmal ein Dispojahr einzulegen und erst in 2018 ALG1 zu beantragen. Also kein Verdienst in 2018.
    In 2018 ist außerdem eine Hochzeit mit entsprechendem Steuerklassenwechsel geplant.
    Wie kann ich den AG klar machen, die Abfindung nach der Fünftel-Regelung mit Steuerklasse 1 zu versteuern?
    Besser noch mit Klasse 3, wegen Heirat.

    • Thomas sagt:

      Hallo Carsten,

      gar nicht. 😉

      Auf der Seite Lohnsteuerabzug von Abfindung ohne Arbeitslohn finden Sie im letzten Abschnitt unter der Überschrift „Steuerklasse beim Lohnsteuerabzug von Abfindungen“ beschrieben, wie der Arbeitgeber laut Gesetz zu verfahren hat.
      Wenn Sie zum Zeitpunkt der Abfindungszahlung noch nicht verheiratet sind, wird Ihr AG über ELStAM die Steuerklasse 1 zugrunde legen. Um die Steuerklasse 3 wählen zu können, müssten die Bedingungen gem. EStG § 38b erfüllt sein. Ungeachtet der Steuerklasse wird der endgültige Steuerabzug im Steuerbescheid festgesetzt. Dabei spielt die Steuerklasse keine Rolle mehr, weil damit nur die Steuervorauszahlung beeinflusst wird. Vielleicht hilft Ihnen zusätzlich auch das Video weiter. Oder Sie heiraten noch 2017. 🙂

      Viel Glück

      Thomas Schulze

  • Rene A. sagt:

    Hallo! Ich habe mal eine Frage: Mit Abrechnung 11/2016 habe ich mein letztes Gehalt inkl. einer Abfindungszahlung erhalten, was auch in der elektronischen Lohnsteuererklärung so erfasst wurde. Nun habe ich diese letzte Gehaltszahlung inkl. Abfindung aber erst Anfang Januar 2017 erhalten. Wie kann ich diesen Abfindungsbetrag gegenüber dem Finanzamt im neuen Jahr geltend machen, wenn die Abfindung im alten Jahr versteuert wurde? Mein Arbeitgeber wird vermutlich nicht bereit sein, eine Korrektur durchzuführen… Vielen Dank vorab!

    • Thomas sagt:

      Hallo Rene,

      einfach in den Steuererklärungen für 2016 keine Abfindung angeben, dafür in der Steuererklärung für 2017 (die Belege = Kontoauszüge) dafür haben Sie ja. Dann wird mit dem Steuerbescheid korrigiert und Sie erhalten für 2016 eine Steuererstattung und für 2017 ggf. die Aufforderung zur Nachzahlung.

      Viele Grüße

      Thomas Schulze

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