Wichtige Steueränderungen 2022

Steueränderungen 2022

Steueränderungen 2022 – haben Sie schon geprüft, wie Sie die nachfolgenden Änderungen für mehr Geld nach Steuern nutzen können?

Wichtige Steueränderungen 2022 für Steuerzahlerinnen und Steuerzahler

1. Erhöhung des Grundfreibetrags

Ab 01.01.2022 erhöht sich der Grundfreibetrag um 240 Euro auf 9.984 Euro/19.968 Euro (Ledige/Zusammenveranlagte). Das entspricht 2,46 %. Gleichzeitig werden zum Abbau der „kalten Progression“ zusätzlich die übrigen Eckwerte des Steuertarifs um nur 1,17 % angehoben. Das heißt, dass für jeden Euro über dem Grundfreibetrag die Steuerentlastung geringer als 2,46 % ist.

Steuerpflichtige behalten also mehr Geld nach Steuern … und können damit zumindest teilweise die offizielle Inflationsrate von zuletzt 5,3 % ausgleichen.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass die offiziellen 5,3 % eine zu niedrige Angabe ist, dann können Sie hier Ihre persönliche Inflationsrate kalkulieren.

2. Erhöhung des Altersvorsorgebetrags (auch für Rürup-Rente)

Nicht immer führen die Steueränderungen 2022 gänzlich zu höheren Freibeträgen oder niedrigere Steuerlasten. So ist die Bemessungsgrundlage für die höchstmöglichen steuerlichen Abzugsbeträge für Altersvorsorge gesunken. Als Grund dafür wird die rückgängige Lohnentwicklung im Jahr 2020 infolge der staatlich verordneten „Corona-Maßnahmen“. Weil aber gleichzeitig der steuerliche Abzugsbetrag um 2 % höher ist als im Vorjahr, ist dennoch ein kleiner Steuervorteil möglich.

Übrigens: Der Garantiezins für bestimmte Versicherungen zur Altersvorsorge beträgt ab 2022 nur noch 0,25 %.

3. Steueränderungen 2022 für Sachbezüge

Ab 01.01.2022 wird die monatliche Freigrenze für Sachbezüge von derzeit 44 Euro auf 50 Euro angehoben (§ 8 Abs. 2 Satz 11 EStG 2022).

Sachzuwendungen mittels Gutscheinen oder Geldkarten müssen allerdings seit 01.01.2022 die Kriterien des § 2 Abs. 1 Nr. 10 Zahlungsdiensteaufsichtsgesetzes (ZAG) erfüllen. Andernfalls entfällt die Steuerfreiheit.

Für Beschäftigte, die vom „Arbeitgeber“ kostenlos oder verbilligt Verpflegung erhalten, ist deren geldwerter Vorteil nur zu versteuern, sobald er folgende Sachbezugswerte übersteigt:

  • Unterkunft oder Miete (Monatswert): 241 Euro,
  • Verpflegung (Monatswert): 270 Euro (darunter Frühstück: 1,87 Euro pro Tag, Mittag- oder Abendessen: 3,57 Euro pro Tag)

4. „Corona-Bonus“ bis Ende März 2022 möglich

In der Zeit vom 01.03.2020 bis 31.03.2022 können Beschäftigte aufgrund der staatlich verordneten „Corona-Maßnahmen“ Beihilfen und Unterstützungen bis zu einem Betrag von insgesamt 1.500 Euro steuerfrei und sozialversicherungsfrei gewähren (§ 3 Nr. 11a EStG). Von dieser steuerfreien „Corona-Beihilfe“ können grundsätzlich alle „Arbeitnehmerinnen“ und „Arbeitnehmer“ profitieren, auch bei einem Minijob.

Steuerfreiheit wird aber nur gewährt, wenn die Beihilfen und Unterstützungen zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleistet werden. Gehaltsverzicht oder eine Gehaltsumwandlung sind nicht begünstigt.

Dieser Bonus sollte auch gerade im Fall einer Abfindungsvereinbarung als Verhandlungsgegenstand nicht unter den Tisch fallen.

5. Kaum Steuervorteil durch Anhebung des Mindestlohns

Der Mindestlohn steigt zum 01.01.2022 von derzeit 9,60 Euro auf 9,82 Euro. Im Laufe des Jahres wird zum 01.07.2022 der Mindestlohn nochmals auf 10,45 Euro angehoben.

Zu einem Steuervorteil führt diese Anhebung jedoch kaum. Denn Vollzeitbeschäftigte kommen mit dem Mindestlohn immer weit über die gesetzlichen Lohnsteuerabzugsbeträge. Für Minijobber verkürzt sich zwangsläufig die höchstmögliche monatliche Arbeitszeit auf 45,82 Stunden.

Lediglich für einen Teil der Beschäftigten im „Übergangsbereich“ (bis 2019 „Gleitzone“) – sogenannte „Midijobber“ – kann die Anhebung des Mindestlohns zu einem steuerlichen Vorteil führen, solange ihr steuerpflichtiges Arbeitseinkommen die Lohnsteuerabzugsbeträge nicht überschreitet – ca. 1.050 Euro monatlich.

Steueränderungen 2022 betreffen nicht nur Arbeitseinkünfte, sondern auch andere Einkunftsarten. Doch auch Angestellte können davon profitieren.

6. Beschränkte Verlustverrechnung aus Kapitalvermögen im Veranlagungsverfahren

Mit dem Anwendungsschreiben vom 03.06.2021 hat das BMF die Verlustverrechnungsbeschränkungen angepasst. „Der Verlustausgleich nach § 20 Absatz 6 Satz 5 und 6 EStG findet nur im Rahmen der Veranlagung statt.“ Den Antrag für die Verlustverrechnung stellen Sie mit der Steuererklärung. Dann können jährlich höchstens Verluste bis 20.000 Euro steuerlich verrechnet werden. Mehr…

7. Kein Steuer-, aber Liquiditäts- oder Ertragsvorteil

Ab 2022 müssen „Arbeitgeber“ gem. Betriebsrentengesetz (BetrAVG) für allen Betriebsrenten 15 % Zuschuss zahlen. Galt diese Zuschusspflicht seit 2019 nur für Neuverträge, so ab 2022 auch für Altverträge. Allerdings gilt das nur, solange die Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Sozialversicherung in Höhe von 58.050 Euro nicht überschitten wird. Liegt das Jahresbruttoeinkommen darüber, darf der Zuschuss verringert werden.

Möchte ein Mitarbeiter einen Teil seines Weihnachts- oder Urlaubsgelds in eine betriebliche Altersversorgung in Form einer Direktversicherung, einer Pensionskasse oder eines Pensionsfonds einzahlen, sind die Beiträge 2022 bis zu einem Höchstbetrag von voraussichtlich 6.768 Euro gem. § 3 Nr. 63 EStG steuerfrei. (Allerdings ist die Verordnung noch nicht abgeschließend verabschiedet.)

8. Steuerersparnis bei Nachzahlungszinsen

Aufgrund des BVG-Beschlusses vom 08.07.2021 ist der Gesetzgeber verpflichtet, bis zum 31.07.2022 die Zinshöhe neu festzusetzen. Diese ist dann rückwirkend auf alle Verzinsungszeiträume ab dem Jahr 2019 anzuwenden und auf alle noch nicht bestandskräftigen Festsetzungen. Der neue Zinssatz soll „ein deutlich niedrigerer Zinssatz“ sein

Allerdings gilt der „deutlich niedrigere Zinssatz“ dann auch für Erstattungszinsen.

9. Mehr steuerfreier Unterhalt möglich

Wer eine volljährige Person (beispielsweise Kinder, Eltern) finanziell unterstützt, kann diese Leistungen steuerlich als außergewöhnliche Belastung gem. EStG § 33a bis zur Höhe des Grundfreibetrages von 9.984 Euro geltend machen. Zusätzlich können auch die gezahlten Beiträge zur privaten Kranken- und Pflegeversicherung angesetzt werden. Der Höchstbetrag mindert sich jedoch um die eigenen Einkünfte und Bezüge der unterstützten Person, die über 624 Euro/Jahr liegen. Die Aufwendungen werden nicht steuermindernd berücksichtigt, wenn das Vermögen der Unterstützten 15.500 Euro überschreitet.

10. Steuerminderung dank Altersentlastungsbetrag

Wer vor dem Jahr 2022 seinen 64. Geburtstag gefeiert hat, kann bei bestimmten Einkünften vom sogenannten Altersentlastungsbetrag steuerlich profitieren. Je nach Geburtsjahr verringert sich der Entlastungsbetrag. Für alle, die 2021 ihr 64. Lebensjahr vollendet haben, beträgt der Altersentlastungsbetrag in diesem Jahr 14,5 %, höchstens 684 Euro. Ältere Jahrgänge hatten einen höheren Alteresentlastungsbetrag.

11. Höherer Entlastungsbetrag für Alleinerziehende unbefristet

Alleinerziehenden steht unter Umständen ein besonderer Entlastungsbetrag gem. § 24b EStG zu. Um deren außergewöhnlichen Belastungen während der staatlich verordneten „Corona-Maßnahmen“ abzumildern, wurde der Entlastungsbetrag für die Jahre 2020 und 2021 von ursprünglich 1.908 Euro auf 4.008 Euro jährlich erhöht. Dieser Betrag gilt nunmehr unbefristet.

12. Längere Investitionsfrist für Investitionsabzugsbetrag (IAB)

Im Rahmen der Gewinneinkunftsarten kann unter bestimmten Voraussetzungen ein Investitionsabzugsbetrag gem. EStG § 7g gewinnmindernd gebildet werden. Dadurch ist es möglich, bis zu 50 % der voraussichtlichen Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten, höchstens 200.000 Euro steuermindernd vor der Investition anzusetzen. Das gilt für abnutzbare bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, wozu allerdings auch Photovoltaikanlagen zählen können.

Weil aufgrund der staatlich verordneten „Corona-Maßnahmen“ nicht alle geplanten Investitionen umgesetzt werden konnten, wurde die Investitionsfrist rückwirkend bis Ende 2022 verlängert, sofern der IAB 2017 oder 2018 gebildet wurde. Endet der Investitionszeitraum von 3 Jahren gem. §7g EStG nach 2022, so bleibt die Frist bei 3 Jahren.

13. Höherer Pauschbetrag für Umzugskosten

Für beruflich begründete Wohnortwechsel können steuermindernd Umzugskosten geltend gemacht werden (siehe auch Ratgeber „Steuern sparen für Arbeitnehmer – nach dem Job“)

Neben bestimmten tatsächlichen Kosten wird für sonstige Umzugskosten eine “Umzugskostenpauschale” anerkannt. Sie beträgt für die steuerpflichtige Person bei einem Umzug bis zum 31.03.2022 nunmehr 870 Euro und danach 886 Euro.

Für Ehepartner und steuerlich berücksichtigungsfähige Kinder im Haushalt gelten pro Person bis zum 31.03.2022 darüber hinaus 580 Euro, danach 590 Euro.

Fazit:

Auch wenn das nicht alle Steueränderungen 2022 sind, finden Sie hier vielleicht einige Anregungen. Leser des Newsletters bekommen wöchentlich weitere Tipps.

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Thomas Schulze
 

Ich helfe allen, denen eine Kündigung droht, ihre Möglichkeiten für eine (höhere) Abfindung nach Steuern besser und leichter auszunutzen, auch wenn solche Gestaltungsmöglichkeiten seit Jahren immer mehr eingeschränkt wurden.

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