Abfindung im Sozialplan – was Arbeitnehmer wissen sollten

QR-CodeRegelungen zur Abfindung im Sozialplan können für Arbeitnehmer auch ein Leitfaden für ihre individuelle Abfindungsverhandlung sein. Wie ist zu kalkulieren, um wirtschaftliche Nachteile auszugleichen, die den Betroffenen durch den Verlust des Arbeitsplatzes entstehen können.

Abfindung im Sozialplan zum Nachteilsausgleich

Als Faktoren für die Prognose, welche wirtschaftlichen Nachteile Beschäftigte infolge einer Kündigung erleiden können, sind

  • Einkommenseinbußen während der Dauer der drohenden Arbeitslosigkeit,
  • Einkommenseinbußen im Anschlussarbeitsverhältnis,
  • die Minderung der gesetzlichen Altersrente (durch Arbeitslosigkeit; geringeres Einkommen im Anschlussarbeitsverhältnis, vorzeitige Verrentung) sowie
  • Einbußen bei der betrieblichen Altersversorgung (sofern eine solche besteht) und
  • der Verlust sonstiger materieller Leistungen, die an den Fortbestand des Arbeitsverhältnisses oder die Betriebszugehörigkeit geknüpft sind (z.B. Jubiläen, Jahressonderzahlungen, Deputate, Werkswohnung, Dienstwagen)

zu erwarten und im Sozialplan berücksichtigungsfähig. („Trendbericht: Höhe einer Abfindung bei Verlust des Arbeitsplatzes“, Hans-Böckler-Stiftung 2014, S. 7. Umfangreich werden in diesem Trendbericht Gesetzesgrundlagen und Urteile zu zulässigen und nicht zulässigen Abfindungsregelungen im Sozialplan sowie zu Sprüchen der Einigungsstelle angeführt.)

Für die Höhe der Abfindung werden im Sozialplan vor allem die Kriterien berücksichtigt, die weitgehend auch für die Sozialauswahl laut Kündigungsschutzgesetz gelten:
  • Lebensalter,
  • Einkommen,
  • Schwerbehinderung,
  • Betriebszugehörigkeit,
  • Unterhaltsverpflichtungen.

In vereinfachter Form wird bei der Ermittlung des prognostizierten wirtschaftlichen Nachteils im Sozialplan steuerlich die Fünftelregelung berücksichtigt.

Daraus abgeleitet erfolgt die Berechnung vereinbarungsgemäß dann

  • nach einer Formel,
  • nach einem Punkteverfahren oder
  • nach einer Tabelle.

Die konkreten Nachteile und steuerlichen Wirkungen für die einzelnen Betroffenen können somit bei einer Abfindung gemäß Sozialplan nur typisiert berücksichtigt werden.

Im genannten „Trendbericht“ sind auch verschiedene Beispiele für die Berechnung der wirtschaftlichen Nachteile enthalten, wie sie für Verhandlungen zur Abfindung im Sozialplan zugrunde gelegt werden. Die Beispiele können auch für jeden Einzelfall eine gute Hilfestellung für Verhandlungen über die Abfindungshöhe sein.

Für die individuelle Berechnung der vermuteten wirtschaftlichen Nachteile bei Verlust des Arbeitsplatzes können Sie darüber hinaus bei der Hans-Böckler-Stiftung ein Excel-Sheet herunterladen. Damit ist es möglich, auch individuell die wirtschaftlichen Nachteile bei Verlust des Arbeitsplatzes zu kalkulieren.

Eine schnelle Übersicht zu differenzierten Regelungen für eine Abfindung im Sozialplan enthält die umfangreiche Aufstellung zu Beispielen von Sozialplänen, für deren Inhalt Klaus Schomacker verantwortlich zeichnet.

Eine Empfehlung: „Sozialplan: Was Betriebsräte wissen müssen“

Buchempfehlung: „Beschäftigungssicherung, Interessenausgleich und Sozialplan: Handlungshilfe für Betriebsräte“ von Ingo Hamm und Rudi Rupp:

„Der Autor Ingo Hamm schreibt hier keine Abhandlung für ein Rechts-Seminar, sondern aus seinen Erfahrungen aus der Praxis. Dementsprechend können Praktiker (z.B. Betriebsräte) mit diesem Buch arbeiten, bzw. sich einen Überblick über das Thema verschaffen.“

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