Lohnsteuerabzug von Abfindung ohne Arbeitslohn

QR-CodeWie erfolgt der Lohnsteuerabzug, wenn die Abfindung später ausgezahlt wird? Denn es ist steuerlich zulässig, eine Abfindung nicht wie üblich mit dem letzten Arbeitslohn auszuzahlen, sondern die Auszahlung auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.

 

Lohnsteuerabzug von Abfindung ohne Arbeitslohn

Eine Vereinbarung über einen Auszahlungszeitpunkt der Abfindung nach Entlassung aus dem Arbeitsverhältnis kann sich immer dann lohnen, wenn im Jahr der Entlassung den Arbeitnehmern bereits ein hohes Einkommen zugeflossen ist, sie im Jahr der Abfindungsauszahlung jedoch mit einem deutlich geringeren steuerpflichtigen Einkommen rechnen. Eine solche Verschiebung des Auszahlungszeitpunktes ist steuerlich zulässig und bewirkt unter Umständen eine echte, erhebliche Steurersparnis.

Wie groß ist der Vorteil aus einer solchen Vereinbarung? In den meisten Fällen kann das zu mehreren Tausend Euro Steuerersparnis führen.

Wer den Abfindungsrechner heruntergeladen und sich die Bonusvideos angesehen hat, kann das erkennen und nachvollziehen. Vielleicht haben Sie sich schon selbst den Steuervorteil errechnet.

Warum kann die Verschiebung des Auszahlungszeitpunktes zu einer hohen Steuerersparnis führen?

Die Grundlage dafür bildet die steuerrechtliche Unterscheidung zwischen „laufendem Arbeitslohn“ und „sonstigen Bezügen“.

Immer wenn die Abfindung zu einem Zeitpunkt nach der Entlassung ausgezahlt wird, vielleicht sogar in einem späteren Kalenderjahr, stellt sich dann für die betroffenen Arbeitnehmer sinngemäß die Frage:

„Wie wird die Abfindung versteuert? Die Firma muss die Steuer ja gleich ans FA überweisen, aber die Firma weiß doch überhaupt nicht, ob ich dieses Jahr andere Einnahmen haben werde, oder arbeitslos bin etc.“

Leider ist zum Lohnsteuerabzug auch in den Personalabteilungen – die es ja wissen müssten – oft viel Unsicherheit vorzufinden. Ein besonders krasses Beispiel für einen recht „willkürlichen“ Lohnsteuerabzug mussten Opel-Mitarbeiter erleben.

Wie sollte der Lohnsteuerabzug denn nun richtigerweise berechnet werden?

Im Einkommensteuergesetz § 39b (3) ist dazu festgelegt:

„Für die Einbehaltung der Lohnsteuer von einem sonstigen Bezug hat der Arbeitgeber den voraussichtlichen Jahresarbeitslohn ohne den sonstigen Bezug festzustellen.“

Mit anderen Worten: Bezieht der Arbeitnehmer im Jahr der Abfindungszahlung keinen Arbeitslohn, fällt darauf auch keine Lohnsteuer an.

Weiter heißt es im Gesetz für den Fall, dass der Arbeitnehmer einen Teil des Jahres Arbeitslohn von einem früheren Arbeitgeber erhalten hat (beispielsweise, weil er vor dem aktuellen Arbeitsverhältnis von einem anderen Unternehmen steuerpflichtigen Arbeitslohn bezogen hat) und dem letzten Arbeitgeber die Lohnsteuerbescheinigung eines früheren Arbeitgebers im gleichen Kalenderjahr nicht vorliegt:

„Hat der Arbeitnehmer Lohnsteuerbescheinigungen aus früheren Dienstverhältnissen des Kalenderjahres nicht vorgelegt, so ist bei der Ermittlung des voraussichtlichen Jahresarbeitslohns der Arbeitslohn für Beschäftigungszeiten bei früheren Arbeitgebern mit dem Betrag anzusetzen, der sich ergibt, wenn der laufende Arbeitslohn im Monat der Zahlung des sonstigen Bezugs entsprechend der Beschäftigungsdauer bei früheren Arbeitgebern hochgerechnet wird.“

Anders gesagt: Der letzte Arbeitgeber würde den voraussichtlichen Jahresarbeitslohn hochrechnen aus dem von ihm bisher selbst gezahlten Arbeitslohn, indem er diesen Lohn auch für die früheren Monate des Jahres zugrunde legt. Künftig eventuell zufließender Arbeitslohn ist hier nicht schon zu besteuern, denn davon würde ja der neue Arbeitgeber den Lohnsteuerabzug vornehmen. Auch künftige sonstige Bezüge, deren Zahlung bis zum Ablauf des Kalenderjahres zu erwarten ist, sind gem. R 39b.6 LStR 2015 nicht zu erfassen.

Hochrechnung heißt: Der monatliche steuerpflichtige Arbeitslohn wird auf das Kalenderjahr hochgerechnet, weil der Jahresarbeitslohn die Bemessungsgrundlage für die Steuerermittlung bildet:

„Die Jahreslohnsteuer bemisst sich nach dem Arbeitslohn, den der Arbeitnehmer im Kalenderjahr bezieht (Jahresarbeitslohn).“ (EStG § 38a Abs.1)

Die ermittelte Steuer ist dann durch zwölf zu teilen, weil ja nur für ein Monatseinkommen der Lohnsteuerabzug vorgenommen wird – nicht für das ganze Jahr!

„Vom laufenden Arbeitslohn wird die Lohnsteuer jeweils mit dem auf den Lohnzahlungszeitraum fallenden Teilbetrag der Jahreslohnsteuer erhoben, die sich bei Umrechnung des laufenden Arbeitslohns auf einen Jahresarbeitslohn ergibt.“ (EStG § 38a Abs.3 S.1)

Beispiel:

(Am folgenden Beispiel wird das grundsätzliche Berechnungsverfahren zum Lohnsteuerabzug erläutert. Deshalb wird zur Vereinfachung nicht zwischen Einkommensteuer und Lohnsteuer unterschieden und die Steuerlast nach der Grundtabelle ermittelt. Ebenso werden die Fünftelregelung und die Korrekturen des Jahresarbeitslohns gem. EStG § 39b Abs. 2 – 6 nicht berücksichtigt – siehe dazu „Steuer auf Abfindung zum Jahresanfang berechnen„.)

Bestand das Arbeitsverhältnis 12 Monate im Kalenderjahr und betrug das monatliche Steuerbrutto 3.000 Euro = 36.000 Euro/Jahr, dann beträgt die Jahreseinkommensteuer 7.429 Euro = 12 Monate x  619,08 Euro.

Wie ist steuerlich zu rechnen, wenn das Arbeitsverhältnis nach 6 Monaten endet und als Entschädigung eine Abfindung in Höhe von 50.000 Euro gezahlt wird?

Wird das Arbeitsverhältnis bereits zum 30.06. d. J. beendet und werden danach keine weiteren steuerpflichtigen Einkünfte erzielt, dann wurden ja bereits 6 x 619,08 Euro = 3.714,50 Euro Einkommensteuer einbehalten. Das entspricht der Hälfte der Jahreseinkommensteuer, falls auch in der zweiten Jahreshälfte ein gleich hohes Arbeitseinkommen ausgezahlt worden wäre. Doch genau diese Hälfte ist ja durch die Kündigung weggefallen – stattdessen wird als Entschädigung eine Abfindung gezahlt.

Von Abfindungen wie von anderen „sonstigen Bezügen“ wird jedoch nicht wie beim monatlichen Arbeitslohn 1/12 der Jahreslohnsteuer einbehalten. Vielmehr wird die Lohnsteuer auf die sonstigen Bezüge in der Weise ermittelt, dass die Differenz zwischen der Lohnsteuer auf den maßgebenden Jahresarbeitslohn ohne den sonstigen Bezug und auf den maßgebenden Jahresarbeitslohn einschließlich des sonstigen Bezugs ermittelt wird.

„Von sonstigen Bezügen wird die Lohnsteuer mit dem Betrag erhoben, der zusammen mit der Lohnsteuer für den laufenden Arbeitslohn des Kalenderjahres und für etwa im Kalenderjahr bereits gezahlte sonstige Bezüge die voraussichtliche Jahreslohnsteuer ergibt.“ (EStG § 38a Abs.3 S.1)

Also:

Jahresarbeitslohn in EuroEinkommensteuer* in Euro
laufender Arbeitslohn ohne sonstigen Bezug6 x 3.00018.0002.032
laufender Arbeitslohn einschließlich sonstigem Bezug6 x 3.000 + 50.00068.00020.165
Differenz = Lohnsteuerabzug auf den sonstigen Bezug18.133

* Einkommensteuer lt. Grundtabelle für 2016 ohne Fünftelregelung

„Eine Hochrechnung ist nicht erforderlich, wenn mit dem Zufließen von weiterem Arbeitslohn im Laufe des Kalenderjahres, z. B. wegen Alters oder Erwerbsunfähigkeit, nicht zu rechnen ist.“ (R 39b.6 Abs. 3 Satz 4 LStR 2015)

Steuerklasse beim Lohnsteuerabzug von Abfindungen

Wenn nun klar ist, wieviel Arbeitslohn dem Steuerabzug zugrunde zu legen ist, bleibt noch die Frage, mit welcher Steuerklasse Arbeitslohn und sonstiger Bezug zu versteuern sind?

Für den Lohnsteuerabzug werden grundsätzlich die Abzugsmerkmale zugrunde gelegt, die am Ende eines Monats gelten (R 39b.6 Abs. 1 Satz 1 LStR 2015). Wird also der Arbeitgeber während des Monats gewechselt, so muss für den Wechselmonat der alte Hauptarbeitgeber nach der Lohnsteuerklasse VI und der neue Arbeitgeber nach der Lohnsteuerklasse I bis V abrechnen. Das gilt gleichermaßen, wenn die Abfindung nach dem Ausscheiden aus dem Unternehmen ausgezahlt wird und der Empfänger der Abfindung bereits in einem neuen Arbeitsverhältnis steht.

Für sonstige Bezüge, also auch Abfindungen, gelten nämlich die Lohnsteuerabzugsmerkmale des Zuflussmonats (R 39b.6 Abs. 3 Satz 1 LStR 2015) der Abfindung beim Arbeitnehmer. In dem Fall hätte der Arbeitnehmer die Möglichkeit, im Monat der Abfindungszahlung den bisherigen Arbeitgeber als Hauptarbeitgeber zu bestimmen und den aktuellen als Nebenarbeitgeber (vergleichbar einer Nebenbeschäftigung). Für die Änderung der Lohnsteuerabzugsmerkmale ist das Wohnsitzfinanzamt zuständig (EStG § 39 Abs. 2 S. 1). Hier wäre also auch die Änderung zu beantragen, falls sie von den Empfängern der Abfindung gewünscht wird.

Beispiel:

Ein Arbeitnehmer, Steuerklasse III, wechselt im März von Unternehmen A zu B. Im Mai desselben Jahres erhält er von A eine Abfindung ausgezahlt. Bestimmt der Arbeitnehmer nun für diesen einen Monat das Unternehmen A zum Hauptarbeitgeber, kann A den sonstigen Bezug nach Steuerklasse III versteuern. Der laufende Arbeitslohn bei C wird dann nach Steuerklasse VI versteuert.

Der Arbeitgeber legt also die Daten aus den Lohnsteuerabzugsmerkmalen oder die Angaben des Arbeitnehmers zugrunde. Sollte es dennoch Abweichungen zwischen dem Lohnsteuerabzug des Arbeitgebers und den tatsächlich zu zahlenden Steuern geben, werden diese durch Steuernachzahlung oder Steuererstattung im Ergebnis des Steuerbescheids korrigiert – siehe auch hierzu die Beispiele.

10 comments for “Lohnsteuerabzug von Abfindung ohne Arbeitslohn

  1. Ingrid Christofori
    15. November 2017 at 11:24

    Guten Tag,
    es ist ganz dringend, ich will vors Arbeitsgericht. Anwalt hat schon geschrieben, Arbeitgeber wechselt die Stuerklasse nicht.
    Laut Betriebsvereinbarung erfolgt die Abfindung im Folgemonat des Ausscheidens. Warum das so ist, und was dahinter steckt, ist mir unklar.
    Die Abfindung wurde mit Steuerklasse IV berechnet, weil ich vom Arbeitgeber nach der Beendigung eine kleine Betriebsrente bekomme.
    Ich hab Elster angerufen. Dort hiess es, der AG müsse umrechnen. Kann ich aufs Finanzamt gehen und eine Umrechnung verlangen?

    Viele Grüße

    Ingrid

    • 15. November 2017 at 16:18

      Guten Tag Ingrid,

      der Arbeitgeber kann von sich aus nicht einfach die Steuerklasse ändern. Die Lohnsteuerabzugsmerkmale erhält er elektronisch über ElStAM vom Finanzamt. Wenn Sie daran etwas ändern wollen, so müssen Sie das bei Ihrem Wohnsitzfinanzamt beantragen – sie auch https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__39.html.

      Viele Grüße

      Thomas Schulze

  2. casper
    4. Januar 2017 at 17:35

    Dankeschön.., das passt in meinem Fall.
    Zwei fragen habe ich noch.
    Ich muss meinem ex Arbeitgeber mitteilen ob ich zur Zeit in einem Arbeitsverhältniss bin und wie hoch mein voraussichtliches Jahreseinkommen in 2017 sein wird, zur Ermittlung des Lohnsteuerabzug bei der Abfindungszahlung.
    Würde der Hinweis auf ALG1 genügen um den wert 0 in der Berechnung zugrunde zu legen?
    Und wie verhält es sich mit der Steuerklasse?
    Wäre ich in einem neuem Beschäftigungsverhältnis würde die Abfindung doch nach Steuerklasse VI berechnet. Wäre in meinem Fall eine Berechnung nach Steuerklasse I möglich ?
    Vielen lieben Dank,
    Casper

    • 4. Januar 2017 at 18:03

      Hallo Casper,

      der Ex-Arbeitgeber kann diese Angabe berücksichtigen. Die Steuerklasse und die anderen Lohnsteuerabzugsmerkmale holt sich die Lohnbuchhaltung online und muss danach die Steuern berechnen und abführen. Ein Wechsel der Steuerklasse klappt nur bei einem neuen Arbeitsverhältnis.

      Beste Grüße

      Thomas Schulze

  3. U. Meiseenko
    3. Dezember 2016 at 11:29

    Guten Tag,
    wie wird eine Abfindung günstigstenfalls versteuert, wenn sie in einem Kalnderjahr ausgezahlt wird, in dem ausschließlich Arbeitslosengeld bezogen wird?
    dert Fall:
    Ende des Arvbeitsverhältnisses: 31.05.16
    arbeitslos: ab 1.6.16 bis aus Weiteres (auch im jahr 2017)
    Abfindung aus dem gekündigten Arbeitsverhältnis wird ausgezalt am 1.1. des Folgejahres

    Danke für eine kurze Antwort
    MfG
    U. Meiseenko

    • 3. Dezember 2016 at 12:44

      Hallo,

      vielleicht verstehe ich Ihre Frage nicht richtig. Grundsätzlich wird so gerechnet wie in diesem Beitrag. Eventuell hilft Ihnen vielleicht auch noch ein Blick auf http://www.abfindunginfo.de/steuer-auf-abfindung-zum-jahresanfang-berechnen, in dem nochmals erläutert wird, wie zu rechnen ist, wenn die Abfindung in einem späteren Kalenderjahr ausgezahlt wird, in dem keine weiteren Einkünfte anfallen.

      Freundliche Grüße

      Thomas Schulze

      • U.Meiseenko
        6. Dezember 2016 at 10:56

        Hallo Herr Schulze,
        Es geht um die Fragen:

        1. Ob und wenn ja wie sich der Bezug von ALG auf die Berechnung des Steuerabzugs von der Abfindung auswirkt, wenn sonst in dem Kalenderjahr kein Einkommen erzielt wird? In Ihrem Abfindungsrechner wäre dann als Einkommen der Wert 0 einzusetzen.
        2. Kann die 1/5-Regelung angewendet werden?

        Wenn 2. zu bejahen ist, ergäbe sich eine nur minimale Besteuerung.

        MfG
        U. MEISEENKO

        • 6. Dezember 2016 at 19:28

          Hallo,

          1. So ist es. Wenn kein normales steuerpflichtiges Einkommen erzielt wird, ist dafür eine 0 einzutragen. Das Arbeitslosengeld führt nur dann zu einer höheren Steuerlast, wenn normales zu versteuerndes Einkommen hinzukommt, weil es steuerfrei mit Progressionsvorbehalt ist.

          2. Ja, „kann“. Ob die Fünftelregelung angewendet werden kann, hängt jedoch auch bei Auszahlung der Abfindung in einem Kalenderjahr davon ab, dass es dennoch zu einer „Zusammenballung von Einkünften“ kommt.

          Beste Wünsche

          Thomas Schulze

          • casper
            4. Januar 2017 at 13:29

            Hallo Herr Schulze
            Ich bin in einer sehr ähnlichen situation wie
            U. MEISEENKO
            Am 31.7.16 aus der Firma mit Aufhebungsvertrag ausgeschieden, zur Zeit Bezug von ALG 1. Die Abfindung fließt ende Januar 2017.
            Welche Voraussetzungen müssen denn konkret erfüllt werden um nach Fünftelreglung zu versteuern. Wenn ich das jetzt richtig verstehe reicht ALG1 nicht, weil es Steuerfrei mit Progressionsvorbehalt ist.
            Dankeschön, casper

          • 4. Januar 2017 at 14:38

            Hallo Casper,

            richtig, für 2017 müssten die Summe aus Abfindung + Alg1 + weitere Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit größer sein, als die die entsprechenden Einkünfte 2016, damit die Fünftelregelung angewendet werden kann.

            Beste Grüße

            Thomas Schulze

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