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Abfindung mit Ein-Fünftelregelung


QR-CodeWie die einzig verbliebene Steuerermäßigung auf Ihre Abfindung berechnet wird, wem die Fünftelregelung einen Steuervorteil bringt und wie groß dieser Steuervorteil für Sie sein kann.

Abfindung – Steuern sparen mit „Ein-Fünftelregelung“

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Wie Sie im Exkurs: Abfindung und „Freibetrag“ und im Exkurs: Abfindung steuerfrei gesehen haben, hat der Gesetzgeber die Steuerlast auf Abfindungen in den letzten Jahren drastisch verschärft: Letzlich – steuerliche Freibeträge auf Abfindungen gibt es nicht mehr! Auch die Regel, eine Abfindung mit dem halben Steuersatz zu belasten (das sogenannte „Halbeinkünfte-Verfahren“), gibt es schon lange nicht mehr für Abfindungen. Im Gegenteil, noch bevor Sie Ihre Entlassungsabfindung auf Ihrem Konto haben, melden Dritte Anprüche auf Ihr schönes Geld an. Zunächst der Fiskus und dann die Arbeitsagentur suchen jede Möglichkeit, sich an Ihrer Entlassungsabfindung schadlos zu halten oder zumindest die „eigenen“ Leistungen (Steuererstattung, Arbeitslosengeld) zu kürzen.

Ihre 3 Wege für mehr Geld nach Steuern

Wollen Sie Ihre finanzielle Sicherheit und Unabhängigkeit vergrößern? Dann nutzen Sie im Zusammenhang mit der Abfindung ganz legal 3 Wege, um möglichst mehr Geld nach Steuern zu be- oder erhalten:

  1. die Ein-Fünftelregelung;
  2. die Umwandlung der Abfindung vor der Auszahlung;
  3. die Umwandlung der Abfindung nach der Auszahlung.

Jeder einzelne bringt Ihnen einen Vorteil. Oft können Sie sogar alle 3 Vorteile gleichermaßen nutzen. Besonders der 3. Weg, die Umwandlung der Abfindung nach der Auszahlung, bringt in der Regel die größte Steuerersparnis und mit etwas Cleverness zugleich den höchsten Gewinn.

Wie hilfreich ist diese Information für Sie?

Ein-Fünftelregelung – ein „Steuergeschenk“ vom Fiskus

Der 1. Weg, der Ihnen als steuerliche Begünstigung geblieben ist, ist die sogenannte Ein-Fünftelregelung. Aufgrund der (Ein-)Fünftelregelung gewährt Ihnen der Fiskus einen kleinen steuerfreien Bonus. Voraussetzung ist:

  • Die Abfindung gehört zu Ihren „außerordentlichen Einkünften“ gemäß Einkommensteuergesetz (EStG § 34 Abs. 2).
  • Als außerordentliche Einkünfte gelten (Entlassungs-)Entschädigungen als Ersatz für entgangene oder entgehende Einnahmen – also Entlassungsabfindungen gemäß Einkommensteuergesetz (EStG § 24 Nr. 1). – Ebenso sind übrigens auch Gewinne aus dem Verkauf eines landwirtschaftlichen oder Gewerbebetriebs, einer Kanzlei oder Praxis oder Ausgleichszahlungen an Handelsvertreter nach § 89b des Handelsgesetzbuchs außerordentliche Einkünfte. – Aber die Abfindung als Entschädigung darf keine Zahlung für bereits erdiente Ansprüche sein. „Erdiente“ Ansprüche sind beispielsweise rückständiger Arbeitslohn, anteiliges Urlaubsgeld, Urlaubsabgeltung, Weihnachtsgeld, Gratifikationen, Tantiemen oder noch zustehende Gehaltsansprüche, weil das Dienstverhältnis rückwirkend beendet wird (vgl. BMF v. 24.05.2004 – IV A 5 – S 2290 – 20/04BStBl 2004 I S. 505, ber. S. 633).
  • Schließlich ist nach dem BFH-Urteil vom 8. April 2014, Az. IX R 33/13 die Ein-Fünftelregelung „entsprechend dem Normzweck … auf solche Einkünfte zu beschränken, die ‚zusammengeballt‘ zufließen“ (ständige Rechtsprechung des BFH; vgl. Urteile vom 25. August 2009 IX R 3/09 und vom 27. Januar 2010 IX R 31/09

Bekommen Sie Lohn oder Gehalt, so ist Ihr „Noch-Arbeitgeber“ laut Einkommensteuergesetz (EStG § 39b Abs. 3) verpflichtet, die Lohnsteuer auf Ihren normalen Lohn oder Ihr normales Gehalt. Weiterhin sind die Steuern auf Ihre Abfindung einzubehalten. Die Abfindung gilt als „sonstiger Bezug“ und wird unter bestimmten Voraussetzungen nach der Ein-Fünftelregelung besteuert.

Ein-Fünftelregelung – wie wird die Steuer berechnet?

Bei der Ein-Fünftelregelung für Abfindungen wird – im Standardfall – so gerechnet, als würden Sie 5 Jahre lang 1/5 der Abfindung erhalten. Die Differenz zwischen der Einkommensteuer auf Ihr normales zu versteuerndes Einkommen und der Einkommensteuer, wenn noch 1/5 der Abfindung hinzugerechnet wird, ist mit 5 zu multiplizieren und die Gesamtsteuerlast mit einem Schlag im Jahr der Abfindungsauszahlung zahlen. Deshalb wird in den nachfolgenden Steuerjahren die Abfindung nicht mehr berücksichtigt.

Für unser voriges Beispiel mit einer Abfindung in Höhe von 50.000 Euro heißt das:

zu versteuerndes laufendes Einkommen:
80.000 Euro
17.340 Euro
1/5 der Abfindung:
10.000 Euro
3.652 Euro
Summe:
90.000 Euro
auf die Summe anfallende Steuern:
20.020 Euro
anteilige Steuern auf 1/5 der Abfindung (also wieviel mehr Steuern?)
3.652 Euro
anteilige Steuern auf 1/5-Abfindung x 5 + Steuern auf laufendes Einkommen
35.600 Euro
Gesamteinkommen nach Steuern*
92.442 Euro

*Einkommensteuer laut Splittingtabelle 2018 zzgl. 5,5 % Solidaritätszuschlag ohne Kirchensteuer. Detailliert können Sie die Berechnung auf dem Tabellenblatt „ABF2018“ meines Abfindungsrechners nachvollziehen.

Grafisch sähe der Steuerspareffekt mit Einkommensteuer + Solidaritätszuschlag so aus:

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Fazit:

Ob 37.356 Euro Einkommensteuer + 2.055 Euro Solidaritätszuschlag (= 39.411 Euro) wie bei einer „normalen“ Besteuerung oder 35.600 Euro + 1.958 Euro Solidaritätszuschlag (= 37.558 Euro) Dank der (Ein-)Fünftelregelung (zzgl. ggf. 9 Prozent Kirchensteuer) – im Verhältnis zu 50.000 Euro Entlassungsabfindung wachsen Ihre Steuern insgesamt auf 70 – 80 % der Abfindung! – Ist das der finanzielle Gewinn, den Sie erhofft haben?

Wem bietet die Ein-Fünftelregelung steuerliche Vorteile?

Durch die (Ein-)Fünftelregelung erhalten diejenigen steuerliche Vorteile, die erst durch die Entlassungsabfindung in eine hohe „Steuerprogression“ geraten. Wenn Sie ohne Entlassungsabfindung also ein Einkommen haben, das mit einer geringen Steuerbelastung verbunden ist, durch die Entlassungsabfindung aber überproportional mehr Steuern zahlen müssen, dann kann die (Ein-)Fünftelregelung ein Vorteil für Sie sein. Doch je höher Ihr bisheriges Einkommen war, umso geringer ist Ihr Vorteil durch die (Ein-)Fünftelregelung. Wenn Ihr steuerpflichtiges Einkommen im Jahr 2017 größer als 54.057 EUR (Ledige) oder 108.114 EUR (Verheiratete) war, unterlagen Sie bereits dem „Spitzensteuersatz“ und können keinen großen Vorteil aus der (Ein-)Fünftelregelung erwarten.

Tipp!

Da es jedoch verschiedene legale Möglichkeiten gibt, die Höhe des normalen zu versteuernden Einkommens zu optimieren, können oft selbst Steuerpflichtige mit hohem steuerpflichtigem Einkommen gerade für die Abfindung eine günstigere Besteuerung erreichen.

 

Wer entscheidet, ob Sie die Ein-Fünftelregelung nutzen können?

Na – selbstverständlich nicht Sie – was dachten Sie denn? Ihre Steuern vom Einkommen behält ja der Arbeitgeber ein – also ist er zunächst verpflichtet zu prüfen, ob bei Ihnen eine „Zusammenballung von Einkünften“ vorliegt, die zu einer Steuerbegünstigung führt. Ganz gleich, wieviel Steuern daraufhin einbehalten werden, wird nochmals anhand Ihrer Steuererklärung und der Lohnsteuerunterlagen im Finanzamt geprüft, ob die Fünftelregelung angewendet werden kann und wieviel Steuern im Bescheid festzusetzen sind. Daraufhin kann sich dann für Sie auch eine Steuererstattung oder eine Steuernachzahlung ergeben.

Wollen Sie nur wissen, wovon eine „Zusammenballung von Einkünften“ abhängt, oder auch gleich mit dem Abfindungsrechner Ihren Steuervorteil durch die Fünftelregelung kalkulieren?

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