Exkurs: Abfindung steuerfrei? – Nicht mehr!

Exkurs: Abfindung steuerfrei

Eine Abfindung steuerfrei zu erhalten, ist kaum noch möglich. Vorsicht ist geboten, wenn Sie Steuern auf Abfindungen durch „Steuersparmodelle“ senken wollen! – Aber Kirchensteuer-Teilerlass ist möglich.

Abfindungen steuerfrei – geht nicht mehr!

Seit dem 01.01.2006 ist es nicht mehr möglich, eine Abfindung steuerfrei zu erhalten. Abfindungen sind – voll und ganz – zu versteuern. An Steuern werden Ihnen abgezogen:

  1. Lohnsteuer/Einkommensteuer bis zu 42 bzw. 45 % („Reichensteuer“),
  2. zzgl. 5,5 % Solidaritätszuschlag,
  3. zzgl. 8 bzw. 9 % Kirchensteuer (bei kirchensteuerpflichtigen Personen) je nach Bundesland

Eine kleine, wirklich sehr kleine Entlastung bringen die Erhöhung des Grundfreibetrages und die „Abflachung“ der Steuerprogression, die Bestandteil des „Konjunkturpaketes II“ für 2009 und 2010 war und jährlich weiter verringert werden soll.

Abfindung steuerfrei durch „Steuersparmodelle“?

Gibt es nicht die Möglichkeit, die Abfindung steuerfrei durch Verlustzuweisungen aus „Steuersparmodellen“ zu gestalten … zumindest teilweise steuerfrei?

Das war eine sehr interessante Möglichkeit; sogar zusätzlich zum jeweiligen steuerlichen Freibetrag nutzbar. Mit sogenannten „Steuersparmodellen“ (z.B. Medienfonds, Leasingfonds), erkauften sich Anleger hohe steuerliche Verlustzuweisungen. Durch rechtzeitige Beteiligung an einem solchen „Steuersparmodell“ („Steuersparfonds“, „Steuerstundungsmodell“) konnten die Steuern gegen Null gesenkt werden. Auf einigen (veralteten) Seiten im Internet finden Sie immer noch eine solche Empfehlung.

Doch höchste Vorsicht!

Die Merkel-Regierung beschloss gleich auf ihrer ersten Arbeitssitzung einen Gesetzentwurf, der „Steuerschlupflöchern“ durch Fondsanlagen das Aus bereitete. Die Regelung des EStG § 15b betrifft Fonds z. B. für Medien, Neue Energien, Leasing, Aktienhandel, Videospiele sowie Schiffbeteiligungen rückwirkend ab dem 11. November 2005. Vorsicht also bei solchen Beteiligungen, sofern Ihnen damit immer noch steuerliche Anfangsverluste empfohlen werden.

Verschäft wurde diese Regelung inzwischen noch durch den sogenannten „Missbrauchstatbestand“ gem. Abgabenordnung (AO), § 42.

Größere Steuervorteile gibt es seriös nur noch in einem Fall. (Sie können ihn nutzen und mehrere 10.000 Euro zusätzlich kassieren, wenn Sie trotz Entlassung in finanziell gesicherten Verhältnissen leben und in den nächsten Jahren monatlich noch ein paar Euro sparen können – z. B. weil Sie nahtlos wieder einen Arbeitsplatz bekommen. – Wenn Sie diese Lösung interessiert, senden Sie mir einfach eine Mail.)

Kirchensteuer-Teilerlass bei Abfindungen wegen Arbeitsplatzverlust?

Ja, Sie lesen richtig. Die Kirchen sind in ihrer Barmherzigkeit und Nächstenliebe mitunter etwas entgegenkommender als der Staat. Vielleicht wollen Sie damit jedoch auch nur die Anzahl der finanziell begründeten Kirchenaustritte senken.

Denn nicht nur Kirchenmitglieder, sondern nicht selten auch Konfessionslose werden mit Kirchensteuer belastet.

Gleichwohl: Sie gewähren zwar keinen steuerlichen Freibetrag auf Abfindungen, erklären sich aber gesprächsbereit zu einem Kirchensteuer-Teilerlass. Lesen Sie selbst:

„In vielen Familien entstehen derzeit durch den Verlust des Arbeitsplatzes hohe Unsicherheiten. Wird dabei eine Abfindung gewährt, kommt dazu noch eine hohe Steuerbelastung. Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass es in diesen Fällen die Möglichkeit eines Teilerlasses der auf die Abfindung entfallenden Kirchensteuer gibt. Nähere Auskünfte erhalten Sie dazu von den Steuerexperten des Evangelischen Oberkirchenrats über das Kirchensteuer-Servicetelefon unter der kostenfreien Nummer 0800 7137137.“ (Quelle: Evangelische Landeskirche Württemberg)

Allerdings gibt es weder einen Anspruch auf den Kirchensteuerteilerlass, noch ist ein Antrag immer erfolgreich. Ich habe von Betroffenen eine Reihe positiver Rückmeldungen, aber es gibt auch gegensätzliche Erfahrungen wie in diesem Kommentar.

Gibt es denn wirklich gar keine Möglichkeiten mehr, um einen Teil der Abfindung steuerfrei zu behalten? – Doch es gibt ganz unverhofft einen Spielraum, den sogar einige ganz clevere Steuerberater den Unternehmen empfehlen …

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