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Abfindung bei steuerfreiem Einkommen

QR-CodeWieviel Steuern fallen auf die Abfindung bei steuerfreiem Einkommen an, wenn sie nach der Fünftelregelung versteuert wird? – Auf diese Frage erhielt jemand leider eine völlig falsche Antwort von seiner Steuerberaterin.

Abfindung bei steuerfreiem Einkommen – so nicht!

Wie sollte angeblich für das Jahr 2015 die Abfindung in Höhe von rund 38.000 Euro nach der Fünftelregelung versteuert werden, wenn das Jahreseinkommen 8.700 Euro beträgt und dann noch der Werbungskosten-Pauschbetrag von 1.000 Euro abgezogen werden kann?

„Laut der Fünftelregelung läuft die Berechnung wie folgt ab:

Zuerst wird die Steuer auf das Jahreseinkommen berechnet. Da ich dank Pauschbetrag unter dem Grundfreibetrag bleibe, ist meine Einkommenssteuer gleich 0 €. Dann wird die Abfindung durch fünf geteilt (38.000 € / 5 = 7.700 €) und dieser Betrag dem zu versteuernden Einkommen hinzugerechnet. Also 0 € + 7.700 € = 7.700 €. Hier wird erneut die Steuer berechnet. Da diese Summe wieder unter dem Grundfreibetrag liegt sind auch hier die Steuern gleich 0 €. Zum Schluss muss dieser Wert mit 5 addiert werden, um die Steuerbelastung der gesamten Abfindung zu berechnen. 0 € mal 5 sind natürlich weiterhin 0 €.“

Mal abgesehen davon, dass „38.000 € / 5“ = 7.600 € und nicht 7.700 € ergibt und dass „dieser Wert mit 5 addiert“ etwas ganz anderes ist, als „0 € mal 5“, liegt hier schon ein grundsätzlicher Denkfehler bei der Anwendung der Fünftelregelung auf eine Abfindung bei steuerfreiem Einkommen vor.

Würde so gerechnet, wie von der Fragestellerin, dann wären das normale steuerpflichtige Einkommen und die Abfindung steuerfrei und sie würde sogar zweimal in den Genuss des Grundfreibetrages kommen:

  • einmal beim „normalen zu versteuernden Einkommen“, weil es unter dem Grundfreibetrag liegt und zusätzlich
  • ein zweites Mal, weil jetzt auf die Steuerbelastung für das normale zu versteuernde Einkommen = 0 € ein Fünftel der Abfindung als Bemessungsgrundlage für die Steuerbelastung genommen wird.

Doch leider ist das eine falsche Anwendung der Fünftelregelung bei einer Abfindung in Verbindung mit einem „steuerfreien Einkommen„.

Was allerdings leider auch nicht selten vorkommt: Einige Steuerberater lassen bei der „Beratung“ zu Abfindungen dann Unsicherheit/Unkenntnis erkennen, wenn sie sich zu wenig und zu selten damit befassen:

„Die Steuerberaterin hat sich die elektronische Lohnsteuer ja gestern auch nochmal im Detail angeschaut und direkt gemeint, dass bei einem Jahresbruttoarbeitslohn von 8.658,45 € sowieso keine Einkommenssteuer gezahlt wird und die Abfindung somit steuerfrei ist.“

Wehe den Steuerpflichtigen, die einer solchen Auskunft auf eine „Abfindung bei steuerfreiem Einkommen“ vertrauen.

Anwendung der Fünftelregelung bei steuerfreiem Einkommen

Ob überhaupt die Fünftelregelung bei einer Abfindung anwendbar ist, lässt sich allein aus dem Jahreseinkommen und der Abfindungszahlung laut Lohnsteuerbescheinigung nicht erkennen. Dazu müsste zunächst geprüft werden, ob eine „Zusammenballung von Einkünften“ vorliegt. (Genau diese Voraussetzung ist leider bei den im Internet verfügbaren Online-Abfindungsrechnern nicht prüfbar – bis auf eine Ausnahme.)

Angenommen, die Voraussetzungen für die Anwendung der Fünftelregelung wären gegeben, dann ist wie folgt zu rechnen:

Abfindung bei steuerfreiem Einkommen

Ausführlicher ist der Rechenweg und die gesetzliche Grundlage zur Anwendung der Fünftelregelung erklärt auf der Abfindung mit Ein-Fünftelregelung.

Dieses Ergebnis kann dann mit dem Lohnsteuerabzug laut Lohnsteuerbescheinigung verglichen werden, um zu erkennen, welche Steuernachzahlung oder Steuererstattung ungefähr zu erwarten ist.

Wollen Sie selbst kalkulieren? Dann laden Sie hier den Abfindungsrechner herunter.

Quelle: buhl.de, 22.04.2016



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Betriebliche Altersvorsorge mit Fünftelregelung versteuern

QR-CodeBetriebliche Altersvorsorge-Leistungen können als einmalige Kapitalauszahlung dem Empfänger zufließen. Wird diese Zahlung nach der Fünftelregelung versteuert?

Betriebliche Altersvorsorge bei Auszahlung versteuern

Wer einen Vertrag über eine betriebliche Altersvorsorge abgeschlossen hat, steht bei der Auszahlung oft vor der Wahl:

  • laufende Rentenzahlung oder
  • Einmalauszahlung.

Betriebliche Altersvorsorge - FünftelregelungSollte die Entscheidung zur einmaligen Kapitalauszahlung tendieren, ergibt sich sogleich die nächste Frage: Wie wird diese versteuert? Kann beispielsweise die Fünftelregelung auch für die betriebliche Altersvorsorge genutzt und damit eine ermäßigte Besteuerung erreicht werden?

Hierzu gibt es bisher keine einheitliche Steuerregelung.

Nach einem Urteil des Bundesfinanzhof (BFH) sind einmalige Kapitalauszahlungen von

  • Versorgungsleistungen des Arbeitgebers aufgrund einer Direktzusage und
  • Versorgungsleistungen aus einer Unterstützungskasse

ermäßigt zu versteuern.

Auch die Finanzverwaltungen gehen davon aus, dass es sich in beiden Fällen der betrieblichen Altersvorsorge um Vergütungen für nichtselbstständige Arbeit gemäß § 19 Einkommensteuergesetz (EStG) handelt, die für mehrjährige Tätigkeiten im Sinne des § 34 Abs. 2 Nr. 4 Einkommensteuergesetz (EStG) gezahlt werden. Demzufolge wäre in beiden Fällen die Kapitalauszahlung als Einmalbetrag bei Zusammenballung als außerordentliche Einkünfte nach der Fünftelregelung gemäß § 34 Abs. 1 EStG ermäßigt zu besteuern sind (BFH-Urteil vom 12.04.2007, VI R 6/02).

Leistungen aus

die ebenfalls Leistungen der betrieblichen Altersvorsorge sind, werden demgegenüber steuerlich ähnlich wie Leibrenten als sonstige Einkünfte nach § 22 Nr. 5 EStG behandelt, wenn sie beispielsweise durch Entgeltumwandlung („Deferred Compensation“) nach § 3 Nr. 63 EStG steuerlich begünstigt angespart wurden. Im Fall von Teil- bzw. Einmalkapitalauszahlungen handelt es sich dann nach Auffassung der Finanzverwaltung (BMF vom 24.07.2013, BStBl. 2013 I S. 1022 Rz. 371) nicht um außerordentliche Einkünfte im Sinne des § 34 Abs. 2 EStG. Folglich läge weder eine Entschädigung noch eine Vergütung für eine mehrjährige Tätigkeit vor.

Im Mai 2015 hat das FG Rheinland-Pfalz ein Urteil gefällt (Urteil vom 19.05.2015, 5 K 1792/12), wonach auch Kapitalauszahlungen der betrieblichen Altersvorsorge, die § 22 Nr. 5 Satz 1 EStG zuzuordnen sind, nach § 34 Abs. 1 EStG mit der Fünftelregelung tarifbegünstigt sind. Auch hierbei handele es sich um eine Vergütung für eine mehrjährige Tätigkeit im Sinne von § 34 Abs. 2 Nr. 4 EStG.

In seinem Urteil bezieht sich das Finanzgericht darauf, dass der BFH bereits für Kapitalleistungen berufsständiger Versorgungswerke entschieden hat, dass deren steuerpflichtiger Teil voll gemäß § 22 EStG zu versteuern ist (Urteile vom 23.10.2013, X R 33/10 und X R 3/12). Dem trägt auch die Finanzverwaltung Rechnung (BMF vom 10.01.2014, BStBl. 2014 I S. 70 Rz. 204). Kommt es zu einer Zusammenballung der Einkünfte, so ist die Auszahlung nach der Fünftelregelung ermäßigt zu versteuern. Für eine unterschiedliche Behandlung der nach § 22 EStG zu versteuernden Kapitalleistungen aus der Basisvorsorge und der betrieblichen Altersvorsorge gäbe es keine sachliche Rechtfertigung.

Das FG Rheinland-Pfalz hat jedoch die Revision zugelassen.

In der Revision vom 20.09.2016 hat der BFH das Urteil des FG aufgehoben. In dem konkreten Fall ging es um die Kapitalauszahlung einer Pensionskasse, die in vollem Umfang nach § 22 Nr. 5 Satz 1 EStG zu besteuern ist, weil das Kapitalwahlrecht schon in der ursprünglichen Versorgungsregelung enthalten war. Dadurch führte die Auszahlung nicht zu „außerordentlichen Einkünften“.

Denn als „außerordentliche Einkünfte“ sind nach dem BFH-Urteil nur solche Einkünfte anzusehen, die atypisch sind. Mit anderen Worten: die Zusammenballung von Einkünften darf nicht dem vertragsgemäßen oder typischen Ablauf der jeweiligen Einkunftserzielung entsprechen. In dem Urteilsfall war die Zahlung der Kapitalabfindung aber nicht atypisch, sondern vertragsgemäß. Die Einkünfte aus der Pensionskasse unterliegen in einem solchen Fall dem regulären Einkommensteuertarif.

Achtung: Zudem bezweifelt der X. Senat, dass Verträge, die von Anfang an ein Kapitalwahlrecht vorsehen, überhaupt nach § 3 Nr. 63 EStG in seiner ab dem 1.1.2005 geltenden Fassung durch Steuerbefreiung der entsprechenden Einzahlungen gefördert werden können.

Quelle: BFH-Urteil vom 20.9.2016, X R 23/15

Weiterführende Informationen zur Besteuerung von Alterseinkünften

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Keine Fünftelregelung ohne „Zusammenballung der Einkünfte“


Zum Problem der „Zusammenballung von Einkünften“ und zur Fünftelregelung bei Abfindungen wurde im Internet auf den Seiten von valuenet.de am 10.03.14  folgende Meldung veröffentlicht: „Fünftelregelung: ‚Zusammengeballt‘ kann eine Zahlung auch sein, wenn es weniger als im Vorjahr ist.“ – Vorsicht!

Was sind die Maßstäbe für eine „Zusammenballung“?

In der Kurzmeldung auf valuenet.de heißt es dazu:

„Einigen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer in einem Kündigungsschutzverfahren darauf, dass das Arbeitsverhältnis zu einem in der Zukunft liegenden Termin endet und zahlt der Arbeitgeber eine Abfindung (hier in Höhe von 50.000 €), so handelt es sich um eine ‚zusammengeballte‘ Entschädigung. Und die darf unabhängig davon nach der so genannten Fünftelregelung ermäßigt besteuert werden, dass der ausscheidende Mitarbeiter in den Vorjahren vergleichsweise wesentlich mehr verdient hatte, als ihm nun als Abfindung gezahlt wurde. (Das Finanzamt wollte ihn deshalb normal besteuern, weil keine Zusammenballung vorgelegen habe.) (Niedersächsisches FG, 13 K 199/13 vom 05.07.2012)“
Quelle: valuenet.de, 10.03.2014

Wird mit dieser Verkürzung nicht ein falscher Eindruck erweckt?

Darf die Abfindung (Entlassungsentschädigung) wirklich darf „unabhängig davon nach der so genannten Fünftelregelung ermäßigt besteuert werden, dass der ausscheidende Mitarbeiter in den Vorjahren vergleichsweise wesentlich mehr verdient hatte“?
Was das Finanzgericht hinsichtlich der „Zusammenballung“ wirklich anders als gesehen hat als das Finanzamt und weshalb in dem Fall doch die Anwendung der Fünftelregelung in Frage käme, liest sich in der Kurzfassung des Urteils auf der Seite des NBW-Verlages nämlich so:

„Bei der Prüfung, ob eine Abfindung zu einer Zusammenballung von Einkünften geführt hat, sind die real verwirklichten Einkünfte mit den fiktiven Einkünfte zu vergleichen, die der Steuerpflichtige in dem Streitjahr erzielt hätte, wenn das Arbeitsverhältnis nicht beendet worden wäre. Hierbei sind auch Erkrankungen des Steuerpflichtigen und darauf beruhende voraussichtlich niedrigere Einkünfte zu berücksichtigen (FG Niedersachsen, Urteil v. 12.11.2013 – 13 K 199/13; Revision zugelassen).

Hintergrund: Nach ständiger Rechtsprechung ist eine Entschädigung gemäß § 24 Nr. 1 Buchst. a EStG nur dann tarifbegünstigt, wenn sie zu einer Zusammenballung von Einkünften innerhalb eines Veranlagungszeitraums führt.

Sachverhalt: Die Beteiligten streiten darüber, ob eine Abfindung ermäßigt zu besteuern ist. Bei Prüfung des Merkmals der zusammengeballten Einkünfte vertrat das FA die Auffassung, dass auf die Einkommenssituation des Klägers vor seiner Erkrankung abzustellen ist. Gemessen daran war eine Zusammenballung nicht gegeben. Dem folgten die Richter des FG Niedersachsen nicht.

Hierzu führte das FG Niedersachsen weiter aus:

  • Maßgebend für die Vergleichsbetrachtung sind die Einkünfte, die sich bei ungestörter Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses voraussichtlich ergeben hätten (BFH, Beschluss v. 26.1.2006 – XI B 54/05).
  • Die Formulierung „ungestörter Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses“ ist nicht dahingehend zu verstehen, dass Krankheiten bei der Vergleichsberechnung unberücksichtigt bleiben müssen.
  • Vielmehr geht es um den Vergleich zwischen den tatsächlich erzielten Einkünften einschließlich der Entschädigung und den hypothetisch in dem Streitjahr erzielten Einkünften für den fiktiven Fall, dass das Arbeitsverhältnis fortgesetzt worden wäre.
  • Richtschnur für die Schätzung der Einkünfte müssen immer die wahrscheinlichen tatsächlichen Verhältnisse im Streitjahr sein – unter Ausblendung der Tatsache, dass das Arbeitsverhältnis beendet wurde.
  • Nach diesen Grundsätzen ist im Streitfall von einer Zusammenballung der Einkünfte des Klägers auszugehen: Es war nicht wahrscheinlich, dass dieser im Streitjahr 2012 wieder arbeitsfähig werden würde und dass er wieder Einkünfte in einer Größenordnung erzielen würde, die er vor der Erkrankung erzielt hatte.
  • Die tatsächliche Entwicklung im Jahr 2012 zeigt, dass die Prognose, dass der Kläger bei Fortführung des Arbeitsverhältnisses wieder die Einkünfte hätte erzielen können, die er in den Jahren vor der Erkrankung erzielt habe, an der Lebenswirklichkeit vorbei ging.
  • Der Kläger war die ersten drei Monate des Jahres 2012 – ebenso wie das gesamte Jahr 2011 – krankgeschrieben. Danach erhielt er eine Erwerbsunfähigkeitsrente. Die Annahme des Beklagten, dass der Kläger ohne die Kündigung durch den Arbeitgeber die früheren Einkünfte hätte erzielen können, ging vor diesem Hintergrund ersichtlich an der Realität vorbei.

Quelle: NWB Datenbank, 05.02.2014

Ich denke, diese Veröffentlichung gibt den Inhalt genauer und eindeutiger wieder. Die ermäßigte Besteuerung der Abfindung nach der Fünftelregelung ist gerade nicht unabhängig vom Verdienst der Vorjahre anzuwenden.

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Abfindung und Transferkurzarbeitergeld ermäßigt besteuert

QR-CodeIn Sozialplänen ist oft vorgesehen, das Transferkurzarbeitergeld aufzustocken. Diese Aufstockung des Transferkurzarbeitergeldes stellt eine Entschädigung für entgangene oder entgehende Einnahmen dar. Das hat das Finanzgericht Düsseldorf entschieden.

Transferkurzarbeitergeld ist ermäßigt zu versteuern

Transferkurzarbeitergeld im SozialplanWenn Entlassungen in Betrieben mit einem starken Betriebsrat anstehen, wird meist über Sozialpläne gem. Betriebsverfassungsgesetz § 112 verhandelt. Für zu entlassende Mitarbeiter enthalten diese häufig die Möglichkeit, in eine Transfergesellschaft zu wechseln.

Die Arbeitsagenturen können diese Möglichkeit zur Vermeidung von
Arbeitslosigkeit nach dem Sozialgesetzbuch III mit Transferkurzarbeitergeld unterstützen.

Das Transferkurzarbeitergeld selbst ist steuerfrei mit Progressionsvorbehalt. Es gehört zu den Lohnersatzleistungen und wird steuerlich mit einem „besonderen Steuersatz“ berücksichtigt.

Darüber hinaus kann im Sozialplan die Aufstockung des Transferkurzarbeitergeldes vereinbart werden. Diese Zahlungen zur Aufstockung des Transferkurzarbeitergeldes stellen nach Auffassung des Finanzgerichts Düsseldorf wie eine Abfindung eine Entschädigung für entgangene oder entgehende Einnahmen dar.

Nach diesem Urteil ist die Aufstockung des Transferkurzarbeitergeldes genauso nach der Fünftelregelung ermäßigt zu versteuern wie die Abfindung.

Voraussetzung für die Anwendung der sogenannten Fünftelregelung ist, dass in dem zu versteuernden Einkommen außerordentliche Einkünfte im Sinne des § 34 Abs. 2 EStG enthalten sind. Gemäß § 34 Abs. 2 Nr. 2 EStG sind insbesondere Entschädigungen als Ersatz für entgangene oder entgehende Einnahmen im Sinne des § 24 Nr. 1 EStG als außerordentliche Einkünfte anzusehen.

Durch den Verlust seiner Einnahmemöglichkeit infolge der Beendigung des Arbeitsverhältnisses entstehe dem Arbeitnehmer ein Schaden. Dieser soll durch die Aufstockung des Transferkurzarbeitergeldes entschädigt werden. Dass es sich um monatlich wiederkehrende Zahlungen handelt, stehe dem Entschädigungscharakter der Aufstockungsbeträge nicht entgegen.

Mit Urteil vom 25. August 2009 hatte der Bundesfinanzhof zudem entschieden, dass eine Entschädigung nicht voraussetzt, dass das zugrunde liegende Arbeitsverhältnis in vollem Umfang beendet wird. Entscheidend ist, dass eine Entschädigung für für entgangene oder entgehende Einnahmen gezahlt wird.

Quelle: FG Düsseldorf, 25.10.2010, Az 11 K 2909/09 E

zurück zu Abfindung – Steuern

Handelsvertreter-Ausgleichsanspruch steuerlich begünstigt?


QR-CodeDer Bundesfinanzhof (BFH) hat entschieden, dass der Ausgleichsanspruch eines Handelsvertreters auch im Zusammenhang mit der Betriebsaufgabe nach der Fünftelregelung ermäßigt besteuert werden kann, jedoch nicht als  einkommensteuerbegünstigter Veräußerungsgewinn.

Ausgleichsanspruch FünftelregelungEin  in den Ruhestand gehender Versicherungsvertreter erhielt einen Ausgleichsanspruch nach § 89b HGB in Höhe von 147.790 Euro ausgezahlt. Das Finanzamt ordnete diesen Betrag den gewerblichen Einkünften zu und berücksichtigte ihn bei der Einkommensteuer als laufenden Gewinn in Form außerordentlicher Einkünfte, die nach der Fünftelregelung zu besteuern sind (Entschädigung gem. § 34 Abs. 2 Nr. 2 EStG).

Im Rahmen seines Einspruchs beantragte der Unternehmer, den Ausgleichsanspruch als steuerbegünstigten Veräußerungsgewinn gem. § 34 Abs. 2 Nr. 1 EStG zu behandeln und nicht in die Berechnung der Gewerbesteuer einzubeziehen. Der Ausgleichsanspruch entstehe durch Rückgabe des Versicherungsbestandes bei Tätigkeitseinstellung und sei damit Entgelt für die Betriebsaufgabe. Deshalb müssten auch die Steuervorteile einer Betriebsaufgabe gewährt werden. Da der Unternehmer bereits 55 Jahre alt war, hätte ihm bei der Einstufung als tarifbegünstigter Aufgabegewinn der Freibetrag von 45.000 Euro sowie der halbe Steuersatz auf den steuerpflichtigen Teil zugestanden.

Der BFH bestätigte die Auffassung des Finanzamts und knüpfte an seine bisherige Rechtsprechung an: Der Ausgleichsanspruch eines Handels- oder Versicherungsvertreters ist dem laufenden Gewinn und nicht dem tarifbegünstigten Aufgabe- oder Veräußerungsgewinn zuzuordnen und kann nach der Fünftelregelung besteuert werden. Das gilt auch, wenn der Ausgleichsanspruch in zeitlichem Zusammenhang mit seiner Betriebsaufgabe entsteht.

Quelle: BFH, Urteil vom 9.2.2011, IV R 37/08

 

Zur Ermittlung des Ausgleichsanspruchs siehe auch:

BGH, Urteil vom 23. 11. 2011 – VIII ZR 203/10

BGH, Urteil vom 8. 5. 2014 – VII ZR 282/12

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Fünftelregelung und Arbeitslosengeld I

Wenn Arbeitslosengeld I und Abfindung zusammenfallen

Erhalten Arbeitnehmer innnerhalb eines Kalenderjahres eine Abfindung und zudem Arbeitslosengeld I oder andere Lohnersatzleistungen, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen, ist die Berechnung der Steuer nach der Fünftelregelung im Einkommensteuergesetz nicht eindeutig geregelt (siehe auch zur Fünftelregelung EStG § 34).

Einige Finanzgerichte haben zugunsten der Steuerzahler entschieden, dass nur ein Fünftel der Lohnersatzleistungen in die Berechnung einbezogen werden müsse.

Dieser Auslegung folgt der Bundesfinanzhof nicht. In zwei Urteilen wurde jeweils die die Steuerberechnung des Finanzamts bestätigt und die Lohnersatzleistung (Arbeitslosengeld I) ungekürzt dem normalen zu versteuernden Einkommen hinzugerechnet.

Quelle: BFH, Urteil vom 22.9.2009, Az. IX R 93/07; BFH, Urteil vom 1.4.2009, Az. IX R 87/07.

Wenn Sie eine fachliche Auskunft benötigen, wie bei Zusammenfallen von Arbeitslosengeld I und Abfindung in Ihrem Fall die Fünftelregelung anzuwenden ist, nutzen Sie am besten das Formular Optimierungsbeispiel und ergänzen es mit Ihrer Frage.

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Ermäßigter Steuersatz bei Abfindungen in zwei Raten

Die Besteuerung der Abfindung mit dem ermäßigten Steuersatz („Fünftelregelung“) bei Abfindungen in zwei Raten ist möglich.

QR-CodeEine den ermäßigten Steuersatz nach § 34 EStG rechtfertigende Zusammenballung von Einkünften kommt auch dann in Betracht, wenn zu einer Hauptleistung einer Abfindung eine in einem anderen Veranlagungszeitraum zufließende minimale Teilleistung hinzukommt.

Ansonsten würden über den Gesetzeswortlaut des § 34 Abs. 1 EStG hinaus die Voraussetzungen der Tarifermäßigung ohne sachlichen Grund verschärft und die ratio legis verfehlt.

Quelle: Bundesfinanzhof (BFH), Urteil vom 25.8.2009, IX R 11/09

 

Die Kriterien dafür, was eine minimale Teilleistung ist, wurden mit dem Urteil des BFH vom 13.10.2015 konkretisiert:

Nach diesem Urteil ist der ermäßigte Steuersatz anzuwenden, wenn sich die Teilleistung eindeutig als geringfügige Nebenleistung einer Hauptleistung darstellt.

Dafür werden im Urteil zwei Kriterien angeführt, die sich aus folgenden Leitsätzen ergeben:

  1. Die Auszahlung einer einheitlichen Abfindung in zwei Teilbeträgen steht der Anwendung des ermäßigten Steuersatzes ausnahmsweise nicht entgegen, wenn sich die Teilzahlungen im Verhältnis zueinander eindeutig als Haupt- und Nebenleistung darstellen und wenn die Nebenleistung geringfügig ist.
  2. Eine Nebenleistung kann unter Berücksichtigung der konkreten individuellen Steuerbelastung als geringfügig anzusehen sein, wenn sie niedriger ist als die tarifliche Steuerbegünstigung der Hauptleistung.

Dieser Maßstab der Steuerentlastung ist gleichermaßen heranzuziehen, um eine Geringfügigkeit festzustellen. Denn wenn mit der Teilauszahlung (vor Steuern) noch nicht einmal der steuerliche Nachteil ausgeglichen würde, der mit dem Versagen der Tarifermäßigung verbunden ist, stünde der Steuerpflichtige besser da, wenn er die Teilleistung nicht erhalten hätte. Mit dem Gesetz soll jedoch der ermäßigte Steuersatz zur Abmilderung der Progressionssteigerung geboten sein.

Wer sich also die Abfindung in zwei Raten auszahlen lassen will, sollte diese beiden Kriterien kennen, um sich gegen eine zu hohe Steuerbelastung wehren zu können.

Quelle: BFH, Urteil vom 13.10.2015, IX R 46/14